Nr. 45/2015 vom 05.11.2015

Die Rückkehr der Schneuwlys

Von Florian KellerMail an Autor:in

Da sind sie wieder. Er mit Scheitel im fettigen Haar, ein Fleischkäse in Menschengestalt, fast verschmolzen mit dem Kunstledersofa, in dem er versackt. Sie mit steif durchgestrecktem Rücken und dem hellwachen Blick eines aufgescheuchten Huhns, mehrfarbig manikürt die spitzen Finger, die immer wieder hochschnellen, um die Brille zu richten. Es ist das Ehepaar Schneuwly aus 3506 Grosshöchstetten, gespielt von Anne Hodler und Matto Kämpf, erfunden von Regisseur Juri Steinhart.

Die Schrumpfsätze, die im bodenlosen Nirgendwo versanden, das passiv-aggressive Hin und Her in einer bei lebendigem Leib mumifizierten Ehe: Es war grosse Dialektkunst, was die drei im Kleinformat ihrer Webserie «Experiment Schneuwly» entwickelten. Jetzt gehen die Schneuwlys in die Verlängerung mit zwei neuen Episoden von höchst unterschiedlicher Klasse. Die erste führt die beiden in die Paartherapie, wo sie mit so unmöglichen Dingen wie Zärtlichkeit konfrontiert werden. «Wie beim Rangieren», sagt Herr Schneuwly über die körperliche Nähe in der Ehe. Wenn man die beiden aber auf die Möglichkeit einer Scheidung anspricht, sondern sie mechanische Verneinungen in Serie ab. Was das nur schon kosten würde!

Die zweite Folge führt die Schneuwlys dann nach Zürich, wo sie eine Social-Media-Schnellbleiche verpasst bekommen. Das ist nicht halb so lustig wie das Rendezvous beim Therapeuten. Was aber auch daran liegt, dass diese Episode vor allem die transmediale Auswertung vorbereiten soll: Künftig darf das Publikum via Social Media nämlich mitbestimmen, wo die Schneuwlys ihre nächsten Experimente in der freien Wildbahn des Alltags erleben sollen.

Ab 5. November 2015 auf 
www.experiment-schneuwly.ch.

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