Nr. 51/2015 vom 17.12.2015

Kein Grund zur Panik

Susi Stühlinger über die Zukunft der Armee

Von Susi Stühlinger

Während der Kriegsmaterialexport trotz starken Frankens florierte, musste im Inland mit einer kleinen Konjunkturspritze nachgeholfen werden: Dazu eignete sich ein zusätzliches Rüstungsprogramm in der Höhe von knapp einer Milliarde Franken natürlich formidabel. Es würde der letzte grosse Wurf des scheidenden Verteidigungsministers Ueli Maurer werden, der die Debatte im Nationalrat gleich zum Anlass nahm, die Kompetenz des künftigen Finanzministers Ueli Maurer unter Beweis zu stellen: «Wir brauchen mehr Grenzwächter, aber das heisst nicht, dass wir weniger Armee brauchen», rechnete er dem verblüfften Rat vor. So war seine Befähigung fürs neue Amt hinreichend unter Beweis gestellt. Und sollte er mal nicht drauskommen, könnte für den guten Rat in der Not immer noch Hans-Rudolf Merz reanimiert werden, der vorsorglich im Bundeshauskeller kryokonserviert worden war.

Sein Nachfolger Guy Parmelin würde sich Derartiges nicht leisten können, sollten die Bundesbudgets künftig halbwegs ausgeglichen daherkommen und die endlich adäquat in der Landesregierung vertretenen Landwirte dennoch nicht übel geschröpft werden, wie es schon jetzt beinahe der Fall gewesen wäre. Doch kein Grund zur Panik. Trotz schrumpfender Armeebudgets wäre die Landesverteidigung auch in Zukunft gewährleistet, wenn damit nur schon früh genug angefangen würde. Darum galt es, die Kleinsten früh für die Armee zu begeistern. Die Chancen standen gut: Spielzeugwaffen waren im Weihnachtsgeschäft gefragt wie selten, und mit der «Nerf Rebelle», in coolem Lila gehalten, gabs eine für Mädchen entwickelte Produktlinie im Angebot. Derselbe Hersteller hatte auch für den Fall vorgesorgt, dass sich junge «Rebelles» aus einer Schwärmerei heraus dem Dschihadismus zuwandten: Mit der «Hello Barbie», die die Gespräche ihrer Besitzerinnen aufzeichnete und aufs Smartphone der Eltern sandte, das sich mit dem neuen Nachrichtendienstgesetz problemlos und ganz legal abhören lassen würde, könnten mögliche Attentate frühzeitig verhindert werden.

Neuste Erkenntnisse förderten weitere Fakten zutage, die der Armee der Zukunft zugutekämen: Ein Uniformzwang war bei Kindern im Sekundarschulalter offenbar gar nicht so unbeliebt wie bislang gedacht, wie das Beispiel im zürcherischen Gossau bewies, wo zehn Jugendliche den Stolz auf ihre Schweiz mit einem schönen Edelweisshemd zur Schau zu stellen wussten. Das trendy Sennenkutteli könnte zwar kaum das erprobte Vierfruchtpyjama ersetzen, käme wohl aber als Alternative zum Ausgänger infrage. Feierlich genug war das gute Stück allemal, hatten inzwischen doch etliche Parlamentarier auf kantonaler und nationaler Ebene bewiesen, dass es sich auch im Ratssaal problemlos tragen liess. Alles in allem also gute Aussichten für den Verteidigungsminister aus der Westschweiz, dessen Wahl die Sensation für Ueli Maurer erst perfekt gemacht hatte, hätte er das Finanzdepartement bei der Wahl von Thomas Aeschi oder Hurter oder irgendeinem anderen Kandidaten wohl kaum bekommen, obwohl er auf den Job beim VBS eigentlich schon lange kä Luscht mehr gehabt hatte.

Susi Stühlingers Patenkind wünscht sich zu Weihnachten zwar keine Knarre, dafür einen Anhänger für seinen Traktor.

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