Nr. 03/2016 vom 21.01.2016

Sauber

Stefan Gärtner über das vorbildliche Fifa-Museum

Von Stefan Gärtner

Wäre ich ein Kabarettist alter Schule, es wären festliche Zeiten: In Zürich eröffnet ein Fifa-Museum! Was da wohl zu sehen sein wird? Ein blubbernder Fifa-Sumpf? Die originale schwarze Kasse des Joseph Blatter? Ein (massstäblich verkleinertes) quadratkilometergrosses «Netz der Abhängigkeiten»? Die Schleife, mit der die Schweiz der Fifa als «Verein» alljährlich ihr Steuergeschenk überreicht hat? Oder der ziemlich räudige, bissige Hund, auf den der internationale Fussballsport unter der Ägide seines Weltverbands gekommen ist? (Hier hören wir das kritische Publikum nicht «Hahaha!», sondern verständnisinnig «Hohoho ...» machen.)

«200000 Besucherinnen und Besucher», meldete der «Tages-Anzeiger» im Mai 2015, «erwartet der Weltfussballverband jährlich in seinem neuen Museum am Zürcher Tessinerplatz. Das Enge-Quartier befürchtet automobilen Mehrverkehr (...). Viele Fussballbegeisterte können es dennoch kaum erwarten, bis das Museum öffnet.» Zwischenzeitlich hat Sepp («El Chapo») Blatter seinen Thron verlassen müssen, und dass dies die Fussballbegeisterten davon abhalten wird, das Enge-Quartier, wo ja schon vom Namen her gar kein Platz ist (Publikum: «Gnihihihi!»), noch enger zu machen, dürfen wir, im Stile eines politischen Korrespondenten, hier einmal in aller Form bezweifeln. Denn «langsam muss es aber genug sein» (Kaiser Beckenbauer) mit der Schmutzwühlerei, schliesslich hat die Fifa sich einem sog. Selbstreinigungsprozess unterworfen und muss man auch einmal in Rechnung stellen, dass es viele schöne Jahrzehnte lang gar keine Ethikkommission gegeben hat (Franz)!

Und es sich also bei dem allem keinesfalls um das handelt, was der FAZ-Feuilletonist Jürgen Kaube vermutlich gern eine «Mohrenwäsche» nennen würde, wenn ihn die Sprachpolizei der politisch Korrekten nicht so brutal daran hindern würde. In Deutschland darf man nämlich nicht mehr sagen, was man denkt. Z. B. wenn jemand aus Nordafrika kommt, muss das in Deutschland in jedem Fall verschwiegen werden, sonst ist es, egal wie die Umstände sind, rassistisch. Verbotskultur pur; und kein Wunder, dass da manchem Volksgenossen, Pardon: Steuerzahler die Hutschnur platzt, ja nachgerade hochgeht. Und das Asylantenpackheim dann eben mit.

Aber wir schweifen ab: Das Fifa-Museum ist da. Und das ist schon deshalb schön, weil sich die Fifa hier so porentief sauber präsentieren kann, wie sie nun einmal, nach kurzer, aber reinigender Besinnung, ist, während an anderer Front für diese Sauberkeit erst noch gesorgt werden muss: Die sog. Durchsetzungsinitiative der Schweizerischen Vollpfosten-Partei («SVP») will und wird dafür sorgen, dass kriminelle Ausländer ausgeschafft werden, selbst als in der Schweiz geborene Secondos. Da reicht ein Einbruch in den Kiosk: Raus. Im Sinn einer Schweiz, die noch sauberer ist, als man sie sich heute überhaupt erst vorstellen kann; während der weltberühmte Saubermannverein, der unter dem Vorsitz des Saubermanns Blatter und mit der bereitwilligen Hilfe der Schweizer Steuerbehörden dem «Fussball» (Blatter) zu ganz neuer Weltgeltung verholfen hat, sich in aller Anständigkeit in Szene setzen wird. Aber das Publikum lässt sich heute bekanntlich fast alles bieten (SVP, Beckenbauer, «Weltwoche»); und also kriegen die einen ihre tausendste Chance und die anderen nicht einmal eine zweite.

Lustig, nein?

Stefan Gärtner (BRD) war Redaktor bei der «Titanic» und ist heute Schriftsteller und «linksradikaler Satiriker» («Die Zeit»). An dieser Stelle nimmt er das Geschehen in der Schweiz unter die Lupe.

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