Nr. 52/2015 vom 24.12.2015

Mensch Blatter

Ruedi Widmer hegt weihnächtliche Gefühle

Von Ruedi Widmer

Joseph S. Blatter ist gestrauchelt und für acht Jahre bei der Fifa gesperrt. Doch man ist zu Recht fasziniert vom freiheitsliebenden Walliser, der sich nicht an Regeln hält, die selbsternannte Menschenrechtshöfe in den USA und Ethikprofessoren aufgestellt haben, nur um dem Fussball zu schaden. Der «Schweizer des Jahres» mit dem Pflaster im Gesicht weist alle Vorwürfe von sich, die diese sogenannte «Ethikkommission» gegen ihn erhoben hat.

Meiner Ansicht nach zu Recht, schliesslich ist Weihnachten, und da ist man gut zueinander, auch wenn einer mal einen kleinen Fehler gemacht hat. Die Gefallenen werden ins Warme geholt, und man gibt ihnen wenigstens einen Teller Suppe. Aber da sitzen auch die, die kein gutes Blatt an Blatter lassen, obwohl sie selber von der Fifa Geld bekommen.

Wer hat nicht schon gesündigt? Wer hat nicht schon mal etwas Geld mitlaufen lassen? Beim Würfelspiel beschissen, dort etwas abgestaubt? Okay, Sepp Blatter mag das getan haben, aber er hat auch viel Gutes getan. Zum Beispiel hat er Roger Köppel Modell gestanden für die Titelseite der «Weltwoche». Er hat ein weisses Blatt verhindert. Oder er hat das lokale Hotelgewerbe unterstützt, indem er Fifa-Delegierte im Hotel Baur au Lac in Zürich einquartierte. Er hätte diese ebenso gut in Osteuropa oder in China unterbringen können, das wäre viel billiger gewesen. Aber Blatter weiss die Schweiz zu schätzen, und er liebt ihre Bewohner. Deshalb möchte er ihnen etwas zurückgeben und lässt sich bei solchen patriotischen Gesten nicht von Geldinteressen leiten.

Ganze Generationen von Fussballzuschauern haben dank ihm pfeifen gelernt. Das Publikum wandte sich stets an ihn: bei Frustration am Arbeitsplatz, bei persönlichen Problemen, die nichts mit Fussball zu tun haben. Er hat diese negativen Gefühle stoisch aufgenommen. Und er konnte sie in positive Energie umwandeln, in Fussball. Sepp Blatter gab seine Liebe in Fussballform weiter.

Niemand weiss, ob Jesus nicht korrupt war. Wir gehen nicht davon aus, es steht nichts davon in der Bibel. Aber die Bibel ist eine idealisierte Schrift. Vielleicht hatte auch Jesus eine solche Seite, wie wir sie bei Sepp Blatter gesehen haben. Jesus brachte nämlich auch die Menschen zusammen, und seine Apostel waren nichts anderes als die Fifa-Delegierten: Sie mussten seine Kunde verbreiten. Dass da mal etwas mit Geld geschieht, ist gar menschlich. Auch Sepp Blatter ist Mensch geblieben.

Aber es ist wichtig, jetzt nicht sentimental zu werden. Die Welt ist nicht schwarz-weiss, sie besteht aus vielen Schattierungen. Man kann nämlich nicht alles in den gleichen Topf werfen. Was Sepp Blatter in Würde getan hat, ist bei anderen Menschen wiederum ein grosses Problem. Zum Beispiel bei Ausländern in der Schweiz. Nehmen Ausländer einfach da etwas mit oder stecken dort etwas ein, dann ist das rein egoistisch: Die Ausländer geben der Welt nichts zurück. Sie schenken der Welt keinen Fussballsport wie Sepp Blatter. Sie profitieren höchstens von seiner Erfindung: Sie nehmen einen Ball und spielen irgendwo auf einem Sportplatz, ohne Regeln, ohne Gewissen, ohne irgendeine Entschädigung an die Fifa und an Sepp Blatter. Sie schmarotzen. Sie kommen so bis in die höchste Spielliga. Bis in die Nationalmannschaft.

Deshalb ist es so wichtig, die «Durchsetzungsinitiative» der SVP am 28. Februar anzunehmen.

Allseits gesegnete Weihnachten!

Ruedi Widmer ist Verleger der «Widmerwoche», die von Tito Tettamanti nicht finanziert wird.

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