Nr. 13/2016 vom 31.03.2016

Fundgrube an praktischem Wissen

Von Bettina Dyttrich

Sie ist die hartnäckigste Agrarjournalistin der Schweiz: Immer wieder bringt Eveline Dudda das Bundesamt für Landwirtschaft auf die Palme (siehe WOZ Nr. 47/2013). Daneben ist die Agronomin auch leidenschaftliche Gärtnerin. Darum sagte sie zu, als die Zeitschrift «Freude am Garten» vor zwei Jahren eine Chefredaktorin suchte. Doch weil sie journalistische Grundsätze wie die Trennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung ernst nimmt, eckte Dudda dermassen an, dass sie schon nach einem Jahr wieder ging – und zusammen mit dem Gärtner Klaus Laitenberger ein Gartenbuch schrieb.

«Spriessbürger» ist ein eindrückliches Kompendium geworden, eine Fundgrube an praktischem Wissen. Das Buch führt von Grund auf in die Bodenpflege, das Kompostieren und den biologischen Pflanzenschutz ein, beschreibt detailliert die Ansprüche der verschiedenen Gemüse und erklärt, was schiefgehen kann und warum. Eine grosse Hilfe ist der «phänologische Kalender», der das Jahr in zehn Jahreszeiten einteilt: Der Vorfrühling beginnt mit der Huflattichblüte, der Vollfrühling mit der Apfelblüte, und wenn der Holunder blüht, ist die Frostgefahr vorbei. So lässt sich viel genauer gärtnern als mit Monatsangaben, vor allem in der Schweiz mit ihrer Klimavielfalt.

Laitenberger und Dudda kennen sich auch bei unkonventionellen Praktiken aus – etwa bei der Verwendung von Urin als Dünger – und räumen mit manchem Mythos auf: Dass sich Rüebli und Zwiebeln gegenseitig unterstützen, stimmt lange nicht immer, und falsch verstandene Mischkultur kann sogar Schaden anrichten – dann nämlich, wenn Gemüse aus der gleichen Pflanzenfamilie jedes Jahr über den ganzen Garten verstreut wächst, was Krankheiten begünstigt.

Nur beim «Mythos gute und böse Sorten» muss die WOZ-Agrarredaktorin Einspruch anmelden: Das Misstrauen gegen Hybridsorten ist nicht einfach ein dummes Vorurteil, sondern berechtigt, denn sie lassen sich nicht wieder aussäen. Infos über das Saatgutbusiness und umstrittene Züchtungstechniken fehlen leider. Aber sonst ist das Buch rundum gelungen.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch