Nr. 18/2016 vom 05.05.2016

Fairer Agrarhandel – aber wie?

Von Bettina Dyttrich

In diesem Buch geht es um grosse, wichtige Fragen: Welche Anbau- und Handelssysteme helfen gegen Hunger? Wie könnte ein fairer Agrarhandel aussehen? Viele Texte bieten einen guten Überblick zu einem bestimmten Thema – zum Beispiel über die Bedeutung des Biolandbaus für die Welternährung oder das Freihandelsabkommen TTIP. Interviews mit der «Bananenfrau» Ursula Brunner, der kritischen Wissenschaftlerin Angelika Hilbeck oder dem indischen Aktivisten Rajagopal P. V. ergänzen das Buch gut.

Doch «Zwischen Fairtrade und Profit» hat ein typisches Sammelbandproblem: Diverse ExpertInnen haben Überblicksartikel geschrieben, die inhaltlich nicht klar genug voneinander abgegrenzt sind. So geht es immer wieder um die Rolle der Welthandelsorganisation (WTO) und die Macht der Konzerne, und manche – wichtige – Fakten werden oft wiederholt. Etwa dass ausgerechnet KleinbäuerInnen, die bis heute die Welt ernähren, am meisten von Hunger bedroht sind. Wer mit den Themen vertraut ist, erfährt nicht viel Neues, für alle anderen wäre dagegen eine Einführung hilfreich gewesen, die grundlegende Fragen beantwortet: Warum bringt Freihandel den meisten BäuerInnen keine Vorteile? Warum haben Direktzahlungen einen Einfluss auf den Weltmarktpreis? Warum ist Kunstdünger problematisch? Dafür fehlt es nicht an allgemeinen Appellen: «Politiker und Politikerinnen müssen mutig für die Menschen und nicht für den Profit einstehen.»

Nur selten geht das Buch nah heran, zu den LandwirtInnen selbst. Beim Hauptthema, dem Agrarhandel, seiner Ausgestaltung und seinen Auswirkungen, fehlen die Blicke aus der Nähe fast ganz. Der Ökonom Markus Mugglin erwähnt, dass verschiedene Schwellenländer den Hunger erfolgreich bekämpften. Hier wären Details spannend gewesen: Wie sah die Kombination der «landwirtschaftlichen Förderung und der sozialen Absicherung» in Thailand genau aus? Und ist die Armutsbekämpfung in China langfristig nicht auch prekär, weil sie auf Kosten der Umwelt ging?

Wie gesagt, das Thema dieses Buches ist wichtig. Aber um aufzurütteln, bleibt es zu sehr in der Halbdistanz.

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