Nr. 24/2016 vom 16.06.2016

Grinsen heisst wissen

Ruedi Widmer widmert auf dem Kurznachrichtendienst Widmer

Von Ruedi Widmer

Schwulenhass und Waffenprotz – «Orlando» hat alles, um endlich den ersehnten bürgerlichen Schulterschluss zwischen Pegida und dem IS Realität werden zu lassen.

Wenn der ARD-Reporter reportiert, dann ist der Fussball einfach besser: «UNDMÜLLLR!», zack, «BOOOAHHHTENG!», Schuss, «KHE-DI-RAH!». Unser Sascha Ruefer passt besser zur Schweizer Spielweise: «Tschuru», «Schähr», «Licht – Steiner», «Beraami». Nicht «BEH-RHAAHMI» in jener kraftvollen Art, in der früher Ulrich Tilgner am Fernsehen «THEHE-RAAHN» oder «BHAGGDAHDD». sagte. Die Schweizer Reporter geben sich ausserdem auffällig Mühe, längere Pausen in ihre Rede einzubauen. Man spürt in der Stille förmlich ihre vorwurfsvollen Gedanken: «Merkt ihr, ich sage extra nichts, damit ihr nicht ablästert und Briefe schreibt.»

Die italienische Berlusconi-Zeitung «Il Giornale» legte ihrer Samstagsausgabe Hitlers «Mein Kampf» bei und ist damit der «Weltwoche» zuvorgekommen.

Ebendiese «Weltwoche», die Hinterhofmoschee der Schweizer Presse, verpflichtete Matthias Matussek als Schreiber, und Roger Köppel konnte sich ein lang anhaltendes Grinsen beim wöchentlichen Propagandavideo aus seiner Höhle im Förrlibuckgebirge nicht verkneifen.

In der «Arena» grinst Köppels Stellvertreter auf Erden, Philipp Gut. Mörgeli, Blocher und Brunner grinsen. Nie gegrinst haben Bortoluzzi, Ulrich Schlüer, Minarett-Wobmann oder Frau Dr. Estermann. Die Grinsenden sind die Wissenden, die nicht Grinsenden die Unwissenden, also die Gläubigen, die die «Sache mit der Schweiz» ernst meinen.

Der allseits beleidigte Recep Tayyip Erdogan behauptete jüngst, eine Frau ohne Kinder sei nur ein halber Mensch. Ich sehe aber in Istanbul keine halben Frauen auf der Strasse. Vielleicht verstecken sich ja die halben Frauen aus Scham unter dem Schleier.

Roger Schawinski hat das erste Buch der Welt über Narzissten geschrieben (und erfunden).

In Zürich läuft die Kunstbiennale Manifesta 11. Es wird hinterfragt, reflektiert, und doch ist das Hauptwerk zusammengepresster Fäkalabfall, eine Duftskulptur, die die AnwohnerInnen belästigt, aber formal im Rahmen des Anständigen bleibt. Ich hätte lieber einen von den SteuerzahlerInnen finanzierten Hafenkran aus Katzenkot gesehen, der die ganze Stadt eingenebelt hätte.

Flüchtlingshass entsteht, wenn die Mutigen und die Ängstlichen aufeinandertreffen. Die AfD würde jetzt einwenden, die Flüchtlinge seien doch die Ängstlichen, weil sie sich ihren Peinigern nicht stellten, während die WutbürgerInnen standhaft ihr Hier und Jetzt verteidigten. Doch mutig ist das nicht, denn die mit ihrem Land unzufriedenen WutbürgerInnen fliehen eben deswegen nicht, weil es ihnen nirgendwo besser gehen könnte als in Sachsen oder Niederösterreich oder im Aargau: die ideale subventionierte Kulisse, um der Wutbürgerei nachzugehen.

Oberwil-Lieli (Sächsische Schweiz): Gemeindepräsident Andreas Glarner warnte letzte Woche vor schwarzen Sprösslingen in Kinderwagen auf seinem Gemeindegebiet. Wann spriessen die Schwarzen in der SVP selber? Um grösste Partei zu bleiben, muss Albert Rösti (der nicht grinst) irgendwann Schwarze und Muslime aufnehmen, sonst schrumpft das Parteifleisch.

Ruedi Widmer ist CEO des Nachrichtendiensts Widmer und des Wochenblatts «Widmerwoche».

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