Nr. 28/2016 vom 14.07.2016

Personalmangel in der «Sozialindustrie»

Von Adrian RiklinMail an Autor:in

Ist hierzulande von Fachkräftemangel die Rede, denkt man zunächst eher an das Gesundheitswesen. Nun zeigt eine Studie, dass auch in den von rechter Seite als «Sozialindustrie» verpönten Berufsfeldern in den nächsten Jahren weit mehr Fachkräfte als bislang benötigt werden. Die von Savoirsocial, der Dachorganisation der sozialen Berufe, in Auftrag gegebene Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel kommt zum Schluss: Allein in den Bereichen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, Begleitung von Menschen mit Behinderung und Betreuung von Menschen im Alter werden bis 2024 mindestens 45 000 zusätzliche Fachleute benötigt. Das heisst: In den nächsten acht Jahren müssen mehrere Tausend zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden.

Derzeit sind in diesen drei Bereichen 97 000 Personen beschäftigt. 81 Prozent davon sind Frauen. Überdurchschnittlich hoch ist auch die Quote der Teilzeitangestellten (64 Prozent) sowie der Beschäftigten ohne berufsspezifische Ausbildung. Ein klares Indiz für schlechte Arbeitsbedingungen und den grossen psychischen Druck in diesen Feldern ist die überdurchschnittlich hohe Quote der BerufsabwanderInnen – ebenso die sehr hohe Fluktuationsrate, insbesondere in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

Savoirsocial fordert daher: bessere Rahmenbedingungen und genügend finanzielle Mittel für die Berufsausbildungen; bessere Möglichkeiten für Unausgebildete, den Berufsabschluss nachzuholen; und vor allem auch: damit aufzuhören, den Fachpersonalmangel mit der Anstellung von miserabel bezahlten PraktikantInnen zu verschleiern.

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