Nr. 35/2016 vom 01.09.2016

Offener Brief an Herrn Wobmann

Ruedi Widmer erteilt seiner Mitarbeiterin das Wort

Von Ruedi Widmer

Guten Tag, Herr Wobmann. Ich heisse Verena Zälschmann, bin seit fast zwanzig Jahren SVP-Mitglied und im Grossen und Ganzen zufrieden mit «meiner» Partei.

Ich bin bei praktisch allen Themen der Meinung von Christoph Blocher oder Ihnen, zum Beispiel bin ich für die Masseneinwanderungsinitiative, für Steuersenkungen, die unseren Schönen und Reichen zugutekommen (und letztlich auch uns schöner und reicher machen!); ich bin für freies Unternehmertum ohne Gesetze und Verordnungen, ich bin für die Förderung der Atomenergie und für freie Fahrt auf unseren schönen Strassen; ich bin für eine intakte Schweiz (mit Bergen, Bauern und blauen Seen). Ich bin gegen den Ausverkauf der Schweiz, gegen Richter, eigene wie fremde, gegen (zu viele) Ausländer, gegen die linke Vorherrschaft, gegen die Europäische Union, gegen Muslime und gegen deren Staat.

Und nun kommts: Ich bin nochmals gegen etwas. Ich bin gegen Ihre Burkaverbotsinitiative. Ich finde das eine brandgefährliche Richtung, die Sie hier einschlagen. So, wie die Burka die Muslimin verhüllt, verhüllt diese Initiative Ihre wahren Absichten. Herr Wobmann, Sie wollen nicht den Islam in der Schweiz bekämpfen, wie ich das von einem waschechten Parteimitglied erwarte. Sie wollen die muslimischen Frauen befreien. Die Frauen. Aber die falschen.

Ich frage Sie: Was ist mit dem Grundsatz «Schweizer zuerst»? Oder gilt für Sie «Schweizerinnen zuerst» etwa schon nicht mehr? Warum wollen Sie nicht uns Schweizerinnen befreien? Wir, die hier Steuern zahlen, arbeiten, Kinder grossziehen, Vereins- und Freiwilligenarbeit machen, ich zum Beispiel in der Partei (Leserkommentare schreiben, SVP-Sonnen-Deckeli häkeln, Unterschriften sammeln, bei Veranstaltungen servieren)! Stattdessen befreien ausgerechnet Sie, Sie, Herr Wobmann, der noch vor kurzer Zeit bewundernswert rechtsextrem war, MUSLIMISCHE Frauen! Derweil wir Schweizerinnen weiterhin unter unseren «Burkas» Lohnbenachteiligung, sexuelle Belästigung, Diskriminierung bei der Stellensuche und unter der Unvereinbarkeit von Mutterschaft und Arbeitsstelle leiden müssen? Herr Wobmann, auch Sie gehen wie der muslimische Pascha drei Schritte vor jeder Schweizer Frau.

Nun sollen ausgerechnet die muslimischen Frauen in der Schweiz in den Genuss von Frauenförderung, Lohngleichheit, Teilzeitarbeit und Diskriminierungsschutz kommen. Ausgerechnet von Männern, denen sonst der Geifer der Lust vom Munde tropft, wenn sie mal an das Thema Frau denken.

Liebe Mannen in meiner SVP: Fliegt weiterhin in die Ukraine, nach Russland und nach Thailand, wenn ihr auf der Suche nach richtig guten Frauen seid. Aber lasst die Finger von den muslimischen Frauen. Damit öffnet ihr Tür und Tor dem teuflischen Islam. Wenn diese Initiative angenommen wird, strömen Hunderttausende von Musliminnen von Marokko bis Indonesien in unsere schöne Schweiz und lassen sich von euch die Burka vom Leibe reissen. Da nützt die MEI dann nicht mehr viel, diese Frauen sind Asylbewerberinnen, die hier ein besseres Leben ohne Burka suchen. Das einzig Positive daran ist: Sie werden auf den Familiennachzug verzichten. Aber mit dieser Frauenbrut werden wir Schweizerinnen, auch viele Töchter in der SVP, noch weiter benachteiligt. Wir finden dann gar keine Schweizer Mannen mehr und müssen irgendwann halt doch einen von den Eritreern oder Syrern nehmen. Wir SVP-Frauen sind vielleicht plötzlich über den Umstand froh, dass bis zur Annahme Ihrer unseligen Burkaverbotsinitiative, Herr Wobmann, nur junge Männer in die Schweiz geflohen sind.

Werfen Sie die muslimischen Frauen aus dem Land. Aber befreien Sie diese nicht.

Und wenn Sie nicht damit aufhören, sage ich Ihnen eines:

Herr Wobmann, konvertieren Sie zum Islam.

Verena Zälschmann ist Karikaturistin der SVP Winterthur. Zusammen mit Ruedi Widmer führt sie ein kleines Karikaturengeschäft.

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