Nr. 43/2016 vom 27.10.2016

Fische selber gefangen

Von Stefan Keller

In den Jahren der Unruhen ab 1980 fiel es der Zürcher Stadtpolizei ein, die politisch bewegte Jugend von beamteten Spitzeln ausforschen zu lassen. Einer dieser «verdeckten Ermittler» hiess Willy Schaffner. Er lebte unter falschem Namen in der linken Politszene, beteiligte sich an gewalttätigen Demos der «Bewegten», die er aushorchte, und offerierte ihnen sogar Sprengstoff für einen von ihm empfohlenen Anschlag. Im November 1986 wurde Willy Schaffner von Jürg Frischknecht in aufsehenerregenden WOZ-Artikeln enttarnt. Er selber nahm zu den Enthüllungen damals keine Stellung. «Mit diesen Söihünd sitze ich nicht an den gleichen Tisch», liess der Spitzel und Agent Provocateur der WOZ ausrichten. Erst zwanzig Jahre später kam es zu einem Gespräch zwischen Frischknecht und Schaffner in dieser Zeitung. Jetzt geistert der pensionierte Beamte erneut durch die Medien: Im von Tanja Polli verfassten, soeben erschienenen Buch «Das Doppelleben des Polizisten Willy S.» stellt er seine Version der Spitzelgeschichte dar. «Die Berichterstattung in der ‹Wochenzeitung›» von 1986, so entnehmen wir der NZZ-Rezension, sei für ihn «ein Albtraum» gewesen. In der «SonntagsZeitung» wehrt sich der Rentner gegen die WOZ auch inhaltlich, allerdings nur in Nebensächlichkeiten: Unhaltbare Unterstellungen seien es, dass er als trinkfester Spitzel besoffen Auto gefahren sei oder die angeblich selbstgefangenen Fische, die er in linke Wohngemeinschaften mitbrachte, auf dem Markt am Helvetiaplatz gekauft habe.

Nachtrag zu zahlreichen WOZ-Artikeln im Oktober bis Dezember 1986, ferner WOZ Nr. 2/2006 und WOZ Nr. 45/2014.

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