Nr. 46/2016 vom 17.11.2016

Spannungslose Dreierbeziehung

Von Rahel Locher

«Nun sind wir zu dritt: in der Badewanne, beim Spaghettiessen aus der Pfanne und beim Streit um den letzten Schluck Milch aus dem Karton.» Die an schizophrenen Episoden leidende Agnes bringt einige Verwirrung in das Leben von Judith und Abel. Doch nach und nach stellt sich in der Berner Altbauwohnung des Paars, dessen Doppelbett plötzlich Platz für drei bieten muss, ein Alltag ein – geschildert aus der Perspektive Judiths, die an einer religionswissenschaftlichen Dissertation schreibt.

Anstatt zu arbeiten, wird sie vom Groove der anderen beiden erfasst – eine Stimmung, die Sabine Hunzikers Erstling durchgehend prägt. Die drei Romanfiguren in «Flieger stören Langschläfer» wissen nicht, was anfangen mit ihrem Leben, und scheinen in ihrem eigenen kleinen Universum gefangen, in dem sich die Tage endlos hinziehen. Sie unternehmen Ausflüge ohne Ziel, führen absurde Diskussionen, oft ertränkt in Alkohol und umhüllt von Zigarettenrauch. Seltsam ungreifbar werden hingegen die Verhältnisse zueinander: wenig Beziehungsgespräche, unklare Gefühlslagen, kaum Sex.

Die ungewöhnliche Beziehungskonstellation, die durchaus eine interessante Romananlage sein könnte, macht die Autorin Sabine Hunziker mit einem Plot zunichte, der so planlos wirkt wie die Hauptpersonen in ihrem Buch. Die einzelnen Abschnitte erscheinen wie zufällig aneinandergereiht, philosophisch angehauchte Belanglosigkeiten und unnötige historische Einschübe erhalten viel Raum. Ansonsten kennzeichnen Sabine Hunzikers Sprache endlose Beschreibungen, bemühte Dialoge, ein belehrender Ton und übertriebene Metaphern.

Als Abel in einer dramatischen Szene die gemeinsame Wohnung verlässt und Judith die blutverschmierten Unterlagen ihrer Doktorarbeit mitsamt Datenstick in den Müll wirft, scheint etwas Bewegung in die Erzählung zu kommen. Doch auch diese Spannungskurve flacht schnell ab, und das Warten auf eine Wendung, die die Ereignislosigkeit überwindet, bleibt vergeblich.

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