Nr. 49/2016 vom 08.12.2016

Häsch mer äs Pümpeli?

Von Franziska Meister

Drogen sind mal wieder in aller Munde – und vielleicht bald in aller Blutbahnen? Medien im englisch- wie im deutschsprachigen Raum berichten seit Tagen über den Segen psychoaktiver Substanzen wie Psilocybin (kommt in Pilzen vor) und LSD (stammt aus dem Labor). In sogenannten Mikrodosen konsumiert, sollen sie Angstzustände beseitigen und die Kreativität und Leistungsfähigkeit steigern. Der «Tages-Anzeiger» hat in Zürich bereits einen Businessman ausgemacht, der zum Zmittag ein paar Mikrodosen LSD per Pumpspray einwirft und davon schwärmt, wie ihn das vor einem drohenden Burn-out am Arbeitsplatz bewahrt habe. Und selbstverständlich dürfen sich nun die LeserInnen auf allen Kanälen von Tamedia als UserInnen outen und so den Trend befeuern.

Aber aufgepasst: Noch sind weder Psilocybin noch LSD legal. Und das Institut für Rechtsmedizin der Uni Bern hat eben eine Studie veröffentlicht, die behauptet, dass sich mit einer Analyse einschlägiger Suchanfragen auf Google Straftaten im Zusammenhang mit illegalen Drogen vorhersagen liessen. Dazu verglich das Team von Michael Liebrenz die Häufigkeit, mit der zwischen 2009 und 2014 im Netz nach Methamphetamin gesucht wurde, mit der Kriminalstatistik zu Besitz, Konsum und Verkauf von «Meth» im entsprechenden Zeitraum. Beides stieg im deutschsprachigen Raum parallel ab 2010 stark an. Zwar ist damit überhaupt noch nicht klar, ob die Onlinesuche dem Delikt vorausging oder ob umgekehrt das Delikt die Suche (nach mehr) auslöste. Trotzdem, so Liebrenz, «empfehlen wir den Strafverfolgungsbehörden, Suchtrends zur Planung präventiver Massnahmen zu evaluieren». Vor allem dort, wo sich die Suchanfragen auch geografisch lokalisieren liessen.

Surfen Sie also mit Umsicht, und vermeiden Sie eindeutige Stichworte wie «LSD» oder «Pilzli». Sonst dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie schon bald im Umfeld des Zürcher Paradeplatzes oder im hippen Kreativumfeld des Kreis 5 von der Polizei gefragt werden, ob Sie einen Pumpspray auf sich tragen.

Oder senden Sie der Polizei die Originalstudie – die relativiert das meiste: http://journals.plos.org/plosone/article?id=info%3Adoi/10.1371/journal.p...

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch