Nr. 04/2017 vom 26.01.2017

Widmerwoche: Schlumpf trumpft!

Ruedi Widmer direkt aus Washington, Bern und Davos

Von Ruedi Widmer

Warum haben die USA 2003 mit Milliardenaufwand den irakischen Diktator Saddam Hussein vertrieben, wo er doch jetzt mit blonder Perücke im Weissen Haus sitzt, inklusive seines Pressesprechers Comical Ali?

Jetzt ist auch Eveline Widmer-Schlumpf gegen die Unternehmenssteuerreform III. Sie wird deswegen aus der BDP geworfen und gründet eine neue Partei.

Der Bevölkerungsrückgang aufgrund des Klimawandels ist erstmals sichtbar: Zwischen 2009 und 2017 ist die Anzahl Menschen auf dem Rasen vor dem Capitol in Washington massiv geschrumpft.

2025 findet die Inauguration von Barron Trump statt. Barron gilt schon jetzt als weniger aktiv und gähnfreudiger als sein Vater und wird den Saftladen USA zum Wohle der Welt nebenbei weiterführen.

Diese Welt ist nicht nur schlecht: Die SVP hat parteiinterne AbweichlerInnen bei ihrem Referendum zur Energiestrategie 2050. Diese können jetzt wählen, ob sie zur BDP oder in Widmer-Schlumpfs neue Partei wechseln wollen. Ein klarer Fortschritt zu 2007, als nur eine Partei zur Auswahl stand.

Der Golfstrom komme zum Erliegen, und Europa stehe eine neue Eiszeit bevor, las ich erschrocken im «Spiegel». Doch gegen den Schluss des Artikels wurde ich ruhiger und immer desinteressierter und hörte gar auf weiterzulesen. Die Erliegung sei erst im 24. Jahrhundert zu erwarten.

Die Politologie ist in heller Aufregung: Ist Trump der neue Hitler?

Auch die Geschichtsforschung ist perplex: War Hitler der alte Trump?

Am Weltwirtschaftsforum in Davos meinte der britische Finanzminister Philip Hammond, sein Land werde auch nach dem Austritt aus der EU seine Türen für AusländerInnen offen halten. Die Debatte in Britannien über Einwanderung drehe sich nur um das «andere Ende des ökonomischen Spektrums», nicht um «Computerwissenschaftler, Akademiker und Hirnchirurgen». «Akademiker und Hinrichtungen»? Äh, ich bin schwer verstört seit Donald Trumps Inauguration.

François Hollande ist Präsident Frankreichs. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal etwas von ihm gehört habe.

Die «Weltwoche» forderte angesichts der Berichterstattung zu den angeblichen russischen Informationen über Trumps Taten in Moskau, es dürfe nur geschrieben werden, was gesichert und bestätigt sei. Die «Weltwoche» selber geht mit gutem Beispiel voran und liefert bereits in der nächsten Ausgabe die Beweise im Fall Sarasin nach. Unbedingt zum Kiosk rennen und kaufen! Oder noch besser: Sofort ein Abo kaufen!

Das US-Unternehmen General Electric entliess in der Schweiz 900 MitarbeiterInnen und senkte gleichzeitig durch ein Dreiecksgeschäft mit Ungarn und den Niederlanden seine Steuerlast. Hoffentlich wird es von Trump totgetwittert.

Was ich jetzt schreiben will, wird von der Presse verschwiegen.

Deutsche Autos sind bald für US-AmerikanerInnen mit Strafzöllen belegt. Diese sind aber leicht mit dem Eisschaber abzukratzen.

Trump könnte übrigens gut auch der neue Putin sein. Es steht nirgendwo geschrieben, dass derjenige, von dem jemand der Neue ist, schon gestorben sein muss.

Die Urinspiele Trumps mit Prostituierten in Moskau sind zwar weiterhin nicht bestätigt, gäben aber eine schöne Brunnenanlage ab. Im Stil des Trevi-Brunnens in Rom wären sie eine neue Attraktion auf dem Rasen vor dem Capitol, damit sich endlich wieder einmal Menschen darauf verirren.

Ronald Reagan hatte den Krieg der Sterne, Donald Trump den Krieg mit den Medien.

Die UBS nimmt Frauenförderung ernst, indem sie Studentinnen Schmink- und Kleidertipps gibt, mit denen sie Karriere machen könnten.

Obama ist schon total vergessen; viele US-AmerikanerInnen wissen nicht einmal mehr, ob es sich dabei um einen Deospray, einen Chrysler-Autotyp oder ein pfiffiges Kinderkartenspiel handelt.

Alternativer Fakt: Sie befinden sich am Anfang des Textes!

Ruedi Widmer ist Cartoonist und Inhaber einer Computertastatur, mit der er noch von Hand Nachrichten eintippt.

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