Kolumbien : Nur wenige DissidentInnen bei der Farc

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Es war zu erwarten, dass sich nicht alle KämpferInnen der Farc-Guerilla in diesen Tagen in Lagern sammeln werden, um dort in den nächsten Monaten ihre Waffen an die Vereinten Nationen zu übergeben. Rund achtzig Prozent der – laut Uno – rund 6200 Bewaffneten (etwa ein Drittel davon Frauen) sind bislang in diesen Camps angekommen. Geschätzte 300 aber werden im Dschungel bleiben und wollen weiter kämpfen. Nicht mitgezählt sind dabei die gut 12 000 MilizionärInnen, die als InformantInnen und Teilzeitguerillas für die Farc aktiv waren, ansonsten aber ein ziviles Leben führten.

Schon im vergangenen Juli hatte die Erste Front Armando Ríos im Osten Kolumbiens angekündigt, sie werde aus dem Friedensprozess aussteigen. Diese Einheit war international bekannt geworden, weil sie 2002 die damalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt entführt und bis zu ihrer Befreiung 2008 in Geiselhaft gehalten hatte. Offenbar hätten sich diesen DissidentInnen drei weitere Fronten im Osten und zwei im Süden des Landes angeschlossen, sagte Armeechef Alberto José Mejía am Wochenende.

Die Zahl der AbweichlerInnen ist vergleichsweise gering. Bei aufgelösten Guerillaverbänden in anderen lateinamerikanischen Ländern waren es weitaus mehr – weswegen mit rund zwanzig Prozent DissidentInnen gerechnet worden war. Sollte es bei den 300 bleiben, wären das weniger als fünf Prozent.

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die sechs Fronten der noch aktiven ELN-Guerilla anschliessen werden. Es wäre nur eine kurzfristige Perspektive: Das ELN hat am Dienstag in Ecuador formelle Friedensverhandlungen mit der Regierung aufgenommen. Armeechef Mejía geht davon aus, dass sich die DissidentInnen dem in ihren Operationsgebieten verbreiteten Kokaanbau, im Osten auch der Ausbeutung von illegalen Goldminen widmen werden. Sollte es so kommen, werden sie über kurz oder lang mit ihren ehemaligen GenossInnen in Konflikt geraten: Die Farc haben sich im Friedensvertrag verpflichtet, der Regierung bei der Vernichtung von Kokaplantagen zu helfen.