Menschen und Maschinen : Achtung, die Roboter kommen

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Die Prognosen sind spektakulär: ÖkonomInnen warnen bereits seit geraumer Zeit davor, dass die Digitalisierung Millionen Arbeitsplätze gefährde. Manche Studien kommen zum Ergebnis, dass in Ländern wie Deutschland oder den USA fast jeder zweite Job wegfallen könnte, und das schon binnen der kommenden zwei Jahrzehnte. Von verschiedener Seite wird deshalb eine Robotersteuer ins Spiel gebracht – vor einigen Tagen auch vom Multimilliardär Bill Gates.

Wenn ein Roboter den Job eines Arbeiters übernehme, dann sollte die Tätigkeit des Automaten besteuert werden, meinte der Microsoft-Gründer; zuvor habe ja auch der Arbeiter Abgaben auf seinen Lohn zahlen müssen. Dadurch liesse sich zum einen die Verdrängung des Menschen durch Maschinen bremsen, zum anderen würden neue Steuereinkünfte generiert. Mit diesen könnten Gates zufolge Berufe subventioniert werden, in denen Menschen nicht zu ersetzen seien – etwa in der Pflege oder Bildung.

Abgesehen davon, dass es längst auch schon Pflegeroboter gibt: Es ist erstaunlich, dass ausgerechnet Gates, ein Pionier der digitalen Ökonomie, diese Idee propagiert. Er steht mit seinem Vorstoss aber keineswegs alleine da. Auch Frank Appel, der Chef der Deutschen Post, hat bereits eine Robotersteuer vorgeschlagen, Benoît Hamon, der Präsidentschaftskandidat des französischen Parti socialiste, zieht mit dieser Forderung in den Wahlkampf, und kürzlich debattierte sogar das EU-Parlament über das Konzept.

Dessen Praktikabilität ist allerdings zweifelhaft: Wenn ganze Produktionsabläufe automatisiert werden, was genau soll dann wie hoch besteuert werden? Modernisierungen dürften eher selten so ablaufen, dass ein Unternehmer kurzerhand einen Roboter auf einen Arbeitsplatz setzt, an dem am Tag zuvor noch ein Mensch vor sich hin schraubte. Einfacher wäre deshalb eine generelle Erhöhung der Steuern auf Unternehmensprofite.

Die eigentliche Frage ist aber, ob es wirklich erstrebenswert ist, Innovationen durch Besteuerung zu verhindern. An sich ist es ja zu begrüssen, wenn Maschinen dem Menschen Arbeit abnehmen. Das sollte gerade die Linke nicht vergessen, schliesslich machen Gewerkschaften und Sozialdemokratie die Lohnarbeit immer noch viel zu oft zu einem Fetisch. Wenn aber die Steigerung der Produktivität zur Folge hat, dass mehr Reichtum in immer weniger Zeit geschaffen wird, dann sollten alle davon profitieren – indem etwa die Arbeitszeit reduziert wird, ohne dass gleichzeitig die Löhne sinken.