Nr. 11/2017 vom 16.03.2017

Der Präsident und die toten Mädchen

Von Toni Keppeler

Es war, wie so oft in Guatemala, eine Katastrophe mit Ansage. Am Mittwoch vergangener Woche brach in einem staatlichen Jugendheim am Rand der Hauptstadt ein Feuer aus. Neunzehn Mädchen starben vor Ort. Die Zahl der Toten stieg inzwischen auf vierzig. Fünfzehn schweben noch mit schweren Brandverletzungen in Lebensgefahr. Die Mädchen waren zur Strafe in einem Saal eingeschlossen worden. Sie steckten aus Protest Matratzen in Brand. Angeblich hinderte die Polizei die Feuerwehr vierzig Minuten lang daran, die Mädchen zu befreien.

Der «Sichere Hort der Jungfrau der Auferstehung» war einst als Heim für behinderte Kinder und für Jugendliche gegründet worden, die wegen Misshandlungen aus ihren Familien genommen wurden. Irgendwann fingen die Jugendgerichte an, alle Problemfälle dort abzuladen: Strassenkinder, Kleinkriminelle, Drogenabhängige. Ursprünglich für 400 Jugendliche ausgelegt, waren zuletzt 748 Jungen und Mädchen dort untergebracht. Seit Jahren war nicht mehr in die Infrastruktur investiert worden. Es gab Berichte von Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen und Zwangsprostitution.

2015 hatte ein Gericht die Schliessung des Heims angeordnet. Trotzdem wurden weitere Jugendliche eingewiesen. Zuletzt hat die Interamerikanische Menschenrechtskommission am 31. Januar von der Regierung Auskunft verlangt, was denn zum Schutz der dort untergebrachten Jugendlichen getan worden sei. Die Anfrage ist bis heute nicht beantwortet worden.

Nach dem Feuer tauchte der rechtspopulistische Präsident Jimmy Morales zunächst ab. Carlos Rodas, Leiter der für das Heim zuständigen Behörde für soziale Wohlfahrt, wollte in einer Medienkonferenz «keine Fahrlässigkeit» feststellen und meinte, der Präsident müsse sich «um wichtigere Angelegenheiten kümmern». Rodas, seine Stellvertreterin und der Leiter des Heims wurden inzwischen verhaftet. Am Samstag schwoll ein spontaner Protest von 200 DemonstrantInnen auf mehrere Tausend Menschen an. Sie forderten vor dem Regierungspalast den Rücktritt des unfähigen Präsidenten.

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