Neues aus der Wissenschaft : Einfach selber schuld?

Nr.  14 –

Manchmal sind Forschungsresultate schlicht deprimierend. Im vorliegenden Fall sogar abgrundtief: SoziologInnen der Uni Konstanz sind der Frage nachgegangen, weshalb Frauen für gleiche Arbeit trotz jahrelanger Gegenmassnahmen noch immer weniger verdienen als Männer. Die kurze Antwort der umfangreichen Studie, die sie in der renommierten «American Sociological Review» veröffentlicht haben, lautet: weil Frauen das zulassen.

Thomas Hinz und seine ForschungskollegInnen haben über 26 000 Gehälter fiktiver Personen erstellt, von denen jeweils Geschlecht, Erfahrung und Qualifikation bekannt waren. Diese Gehälter legten sie je 800 Frauen und Männern mit der Frage vor, ob der Lohn fair, zu tief oder zu hoch sei. Sämtliche StudienteilnehmerInnen – Frauen wie Männer – sprachen sich vor Umfragebeginn explizit für Lohngleichheit bei gleicher Leistung aus. Und doch bringt ihre Einstufung zutage, dass es für sie vollkommen fair ist, wenn Frauen sieben bis neun Prozent weniger als Männer verdienen. Mehr noch: Es ist völlig egal, ob Frauen eine Topleistung hinlegen oder faul und minimalistisch sind – ihr Umfeld (in diesem Fall die Befragten) ignoriert das schlicht. «Bemerkenswert ist, dass die Ergebnisse geschlechterübergreifend sind», so Hinz. Die Befragten hätten bei der Bewertung auf ihre persönlichen Erfahrungen zurückgegriffen. Das Resultat spiegle die «normative Kraft der bestehenden Verhältnisse». Und wer mehr Lohntransparenz fordere, zementiere das nur noch mehr.

Darauf kann es nur eine Antwort geben: Weiber, werdet endlich aufmüpfig! Fordert nicht Lohntransparenz, sondern eine Gehaltserhöhung. Oder werdet noch grundsätzlicher: Greift gleich die Lohnschere zwischen Callcenter und Teppichetage an. Mit der Studie habt ihr dafür die perfekte Steilvorlage. Eure Leistung am Arbeitsplatz ist eh kein Kriterium. Und im Zweifelsfall: Seid einfach mal so richtig demonstrativ faul! Vielleicht entstehen so sogar ganz unerwartet geschlechterübergreifende Allianzen.

«Brave Frauen, aufmüpfige Weiber» ist ein Pionierwerk zur Schweizer Frauengeschichte von Elisabeth Joris und Heidi Witzig, leider auch in der 3. Auflage vergriffen.