Nr. 18/2017 vom 04.05.2017

Kinderarbeit für die Schweiz

Von Roman Enzler

Lafarge-Holcim soll in Uganda nicht nur über zehn Jahre lang von Kinderarbeit profitiert haben. Der Baustoffkonzern mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona drücke sich nun auch vor der Wiedergutmachung. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht von Brot für alle und Fastenopfer, den die Hilfswerke zusammen mit einer ugandischen Partnerorganisation erstellten. Demnach bezog die Tochterfirma Hima Cement im ostafrikanischen Staat Vulkangestein, das teilweise von rund 150 minderjährigen MinenarbeiterInnen abgebaut wurde. Im März 2016 wurde dies publik, und Hima Cement wechselte seine Zulieferer. Doch die Kinder, von denen viele für ihre gefährliche Arbeit die Schule abgebrochen hatten, seien seither sich selbst überlassen. Gemäss Uno-Prinzipien liege es in der Verantwortung der Firma, Wiedergutmachung zu leisten und den Kindern eine angemessene Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

Gegenüber der WOZ weist Lafarge-Holcim die Vorwürfe zurück: Unabhängige Untersuchungen vom April 2016 – nachdem der Skandal publik geworden war – hätten keinen Hinweis darauf ergeben, dass Hima Ciment oder seine Lieferanten Kinderarbeit genutzt hätten.

Die Schweiz stemmt sich gegen eine verbindliche Haftungsregelung; der Bundesrat setzt auf die Förderung «freiwilliger Instrumente». Möglicherweise spielt da die Angst mit, die Führungsposition im globalen Rohstoffhandel an Singapur zu verlieren.

Frankreich hingegen hat seine Gesetzgebung im Februar verschärft: Konzerne können neu in Frankreich eingeklagt werden, wenn Recht durch deren Tochterunternehmen im Ausland verletzt wurde. Analoges verlangt die «Konzernverantwortungsinitiative», die in der Schweiz wohl 2018 zur Abstimmung kommt.

Im April musste Lafarge-Holcim-Chef Eric Olsen seinen Sessel räumen, nachdem sich der Verdacht erhärtet hatte, dass das lokale Management in Syrien Schutzgeldzahlungen an den sogenannten Islamischen Staat geleistet hatte, um ein Zementwerk in deren Gebiet weiterbetreiben zu können.

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