Nr. 23/2017 vom 08.06.2017

Trumps Scherbenhaufen am Persischen Golf

Von Roman Enzler

Es ist gerade einen Monat her, dass US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien war, um einer sunnitischen Allianz gegen den Iran den Rücken zu stärken. Die bedingungslose Unterstützung der aggressiven Iranpolitik Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat aber das Gegenteil dessen bewirkt, was Trump eigentlich wollte. Statt die Einheit des Golfkooperationsrats (GCC) gegen den Iran zu stärken – just mit dieser Stossrichtung war das Bündnis aus Saudi-Arabien, Oman, Katar, den VAE, Bahrain und Kuwait 1981 gegründet worden –, hat er die Spaltung der Allianz vertieft.

Am Montag verkündeten Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten den Abbruch ihrer diplomatischen Beziehungen mit Katar und schlossen ihre Verkehrswege in das Golfemirat. Zeitpunkt und Drastik der Massnahmen überraschen: Politische Differenzen, vor allem mit Blick auf die Beziehung Katars zur ägyptischen Muslimbruderschaft und zum Iran, hatten zwar bereits 2014 zu einem Zerwürfnis geführt. Der saudische König Salman, seit 2015 auf dem Thron, hatte sich dann aber mit Katar versöhnt und sich der aus den Muslimbrüdern hervorgegangenen palästinensischen Hamas angenähert. Noch im Dezember 2016 liess sich der 81-jährige Monarch bei einem Tänzchen mit dem Emir Tamin bin Hamad al-Thani von Katar filmen.

Zwar missbilligte Saudi-Arabien weiterhin, dass sich das kleine Katar eine eigenständige Aussenpolitik und gute Beziehungen zum Iran leistet. Dass das Emirat aber so plötzlich und tiefer denn je in Ungnade gefallen ist, hat mit Trumps Besuch in Riad zu tun. Saudi-Arabien und die VAE hätten die Rückenstärkung durch den US-Präsidenten als Carte blanche verstanden, mutmasst der Saudi-Arabien-Experte Toby Matthiesen gegenüber der WOZ. Die nutzten sie nun, um gegen Abweichler vorzugehen.

Nicht nur Katar: Auch Oman und Kuwait pflegen Beziehungen zum Iran. Die rüde Art, mit der Saudi-Arabien und die VAE jetzt das kleine Emirat Katar zur Loyalität zwingen wollen, kann Oman und Kuwait nicht gefallen. Dass der omanische Aussenminister Yusuf bin Alawi bin Abdullah am Montag trotz der Krise angeblich «privat» nach Katar reiste, deutet nicht darauf hin, dass Oman vor Saudi-Arabien zu kuschen gedenkt. Auch Kuwait schloss sich den Strafmassnahmen nicht an und bot sich stattdessen als Vermittler an. Freuen dürfte sich nur der Iran: Die Monarchen des Golfkooperationsrats, die noch im Mai gemeinsam den Schwerttanz von Trump und König Salman beklatschten, sind gespaltener denn je.

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