Nr. 41/2017 vom 12.10.2017

Damit es nie zu gemütlich wird

Von David Hunziker

Der Störenfried betritt die Bühne kurz nach der Hälfte des Songs, in Form einer furchtbar zerschränzt klingenden Gitarre. Wie diese so einen Akzent nach dem anderen setzt und ihr Ton dabei kontrolliert hin und her flattert, könnte man meinen, sie artikuliere Sätze. Dabei ist das, was sie da vor sich her spricht, bloss Kauderwelsch. Aber vielleicht führt dieser ziemlich nackt und verloren klingende Balztanz eine ganz andere Sprache vor, eine der Gesten des Körpers. «Body Semantics» eben.

So heisst die erste Single vom gleichnamigen Debütalbum des in Luzern und Zürich stationierten Trios Jon Hood. Sie beginnt mit der schwärmerischen Stimme von Sängerin Joan Seiler, die über einem herzschlagähnlichen, elektronischen Basspuls und einer verheissungsvollen Gitarrenmelodie ihrem Begehren Ausdruck verleiht. Sie will eins werden mit dem schönsten aller Wesen, doch etwas hält sie zurück, verhindert die Vereinigung der Körper. Diese verschiebt sich stattdessen in die Gedanken, und was zwischen den beiden noch bleibt, ist eben nur noch: Körpersemantik. Wenn wir schon keinen Sex haben können, dann tanzen wir halt ein bisschen miteinander.

Das klingt nun konfliktreicher, als es uns die Musik auf diesem Album zunächst spüren lässt. Jon Hood spielen einen feingliedrigen, groovigen Pop, der sofort eine Sogwirkung in Richtung seines geräumigen Innenraums entfaltet. Doch statt dort nostalgische Süsse oder traumwandlerische Vergessenheit sich ausbreiten zu lassen, wie das auf der banaleren Seite des Dream Pop manchmal geschieht, verhindern hier kleine Störungen oder Verschiebungen, dass es jemals zu gemütlich wird. Im wunderschönen «Spoken Dreams» bildet ein halbelektronischer, leicht humpelnder Beat den einzigen Fixpunkt, während unzählige, ständig ihren Sound und ihre Gestalt verändernde Gitarren und hektische Perkussionsinstrumente in alle Richtungen ziehen, sodass man nicht mehr weiss, wo oben und unten ist.

Konzerte in: Zürich Bogen F, Freitag, 20. Oktober 2017; Olten Coq d’Or, Sonntag, 21. Oktober 2017; Luzern Südpol, Freitag, 27. Oktober 2017.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Unterstützen Sie die WOZ als Ganzes mit einer Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr

Drücken Sie ihr Interesse am Text Damit es nie zu gemütlich wird aus und tätigen Sie eine spezifische Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr