Nr. 42/2017 vom 19.10.2017

Hat sich Mühe gegeben

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Aus wissenschaftlicher Perspektive ist eigentlich längst klar: Hausaufgaben bringen nichts. Ein Schweizer Hochschuldozent bezeichnete sie im Magazin «Fritz + Fränzi» vor ein paar Monaten sogar als «Pille mit fast ausschliesslich negativen Nebenwirkungen».

Jetzt kommen ein paar Tübinger BildungsforscherInnen und behaupten just das Gegenteil – mehr noch, «dass Hausaufgaben nicht nur für die schulische Leistung wichtig und sinnvoll sind, sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung». Sie haben rund 2800 SchülerInnen (und ihre natürliche Kontrollgruppe, die Eltern) während dreier Jahre wiederholt dazu befragt, wie sehr sie sich denn bei ihren Hausaufgaben anstrengen würden. Ausserdem mussten die Elf- bis Vierzehnjährigen angeben, ob sie grundsätzlich eher ordentlich seien oder bequem und nachlässig. Diese Fragen kommen nicht von ungefähr: Die Gewissenhaftigkeit von Teenagern nehme in den frühen Jugendjahren ab, so die BildungsforscherInnen. Mit ihrer Studie wollten sie nachweisen, dass «eine günstigere Entwicklung der generellen Gewissenhaftigkeit» resultiert, wenn sich die Jugendlichen bei ihren Hausaufgaben auch ordentlich Mühe geben.

Quod erat demonstrandum, könnte man jetzt sagen. Die Gewissenhaftigkeit als deutsche Kardinaltugend ist erfolgreich verteidigt worden. «Schule» – respektive eine Schule, in der Wert darauf gelegt wird, dass Hausaufgaben gründlich und genau erledigt werden – schaffe es, so die BildungsforscherInnen, «auch die Persönlichkeit nachhaltig zu verändern».

Womit auch bewiesen wäre, was der Schweizer Hochschuldozent über die Hausaufgaben behauptet hat: Pillen respektive Psychopharmaka mit derart gravierenden Nebenwirkungen wären längst verboten worden! Wir fordern deshalb: Hausaufgaben dürfen ab sofort nur noch gegen Rezept abgegeben werden.

Zum Abgewöhnen der lästigen Ufzgi empfehlen wir das Buch «Hausaufgaben – Nein danke!» von Armin Himmelrath.

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