Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

Mit Gleitmittel zum Sieg

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Sein Fall machte Schlagzeilen: Erst gewann der schottische Skirennfahrer Alain Baxter bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City mit Bronze die erste britische Medaille in den alpinen Disziplinen überhaupt. Dann wurde sie ihm wegen Doping (Methamphetamin) wieder aberkannt – ebenfalls eine Premiere im alpinen Skisport. Auch im Vorfeld der aktuellen Spiele in Pyeongchang standen AthletInnen und ganze Nationen im gleissenden Licht des Dopingvorwurfs. Fernab dieser Scheinwerfer hat die Schweiz eine ganz besondere Tinktur nach Südkorea geschmuggelt. Sie lässt, wie aus dem Labor berichtet wird, besonders im eiskalten Klima, wie es in Pyeonchang herrscht, die AthletInnen zu Hochform auflaufen: Auf zwanzig Sekunden Abfahrtsstrecke verbesserten die TestläuferInnen ihre Performance um bis zu 1,5 Prozent – das entspricht alles entscheidenden Metern Vorsprung! Kein Wunder, wollten die AthletInnen das Mittel «gar nicht mehr zurückgeben», wie der Projektleiter Konstantin Siegmann von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) betont. Er rechnet fest mit neuen Rekordzeiten auf der Piste.

Der Zaubertrank aus dem ZHAW-Labor enthält ein ganz besonderes «Designermolekül». Es wird nicht oral verabreicht, sondern in einem Lösungsmittel aufgesprayt und mit dem UV-Licht einer Quecksilberdampflampe bestrahlt. So bleibt es viel länger haften. Die Rede ist von einem ultraschnellen Gleitmittel, das den Skibelag – anders als bei bisherigen Skiwachsen – viel länger wasserabweisend macht. Konventionelle Wachse sind demgegenüber abgerieben, bevor der Fahrer das Ziel erreicht. Achten Sie also im Abfahrtsrennen, beim Super-G oder beim Slalom darauf, wer nach der letzten Zwischenzeit schneller wird – das ist der Athlet respektive die Athletin mit den gedopten Skiern!

Auf das Trikot können Sie leider nicht setzen – denn auch wenn das Hightechwachs zusammen mit der Firma Toko in der Schweiz entwickelt worden ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass auch Schweizer AthletInnen in Pyeongchang davon profitieren können. «Wir stellen das Wachs nur jenen Technikteams zur Verfügung, die unser Projekt finanziell unterstützt haben», so Udo Raunjak, Entwicklungsleiter bei Toko. Wer dies nicht getan hat, dürfte sich in den nächsten Tagen die Haare raufen, wenn die eigenen Leute beim Langlauf oder Biathlon zunehmend angestrengter mit dem Schneewiderstand ringen und im Alpinski das Rennen immer wieder erst auf den letzten Metern entschieden wird – zuungunsten der eigenen FahrerInnen.

Und noch ein Tipp für die DetektivInnen der Dopingkontrolle: Achten Sie auf Quecksilberdampflampen!

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