Nr. 24/2018 vom 14.06.2018

«… völlig egal!»

Stefan Gärtner lässt Schweiz Tourismus zu Wort kommen

Von Stefan Gärtner

«Liebe Schweizerinnen und Schweizer, liebe Touristinnen und Touristen in und aus aller Welt: Mein Name ist Markus Berger, und ich bin Kommunikationschef bei Schweiz Tourismus. Mein Beruf ist es, aus schlechten Nachrichten gute zu machen, denn schlechte Nachrichten gibt es ja nun wirklich schon genug!

Der kleine, obskure, von letztlich gar nicht so vielen Menschen gelesene Reiseführer ‹Lonely Planet› behauptet, in der wunderschönen Schweiz sei ‹Racial Profiling› gang und gäbe, die Schweizer Polizei unterziehe Menschen mit ‹nichteuropäischem Erscheinungsbild› fragwürdigen Zufallskontrollen. Da möchte ich mich zunächst einmal gegen die Wortwahl wehren: ‹nichteuropäisches Erscheinungsbild›. Für uns bei Schweiz Tourismus gibt es nur ein Erscheinungsbild, und das ist das des zahlungskräftigen Touristen und der zahlungskräftigen Touristin, die lächelnd durch unser Land laufen und ihr Portemonnaie zücken, falls es ihnen nicht ausländische Taschendiebe heimtückisch entwendet haben. Welche Farbe diese Hand hat, ist uns in der Schweiz doch völlig egal!

Deshalb kann ich den Satz, den ich bereits gesagt habe, hier noch einmal sagen: ‹Das Problem von Racial Profiling existiert in der Schweiz nicht.› Unsere Ordnungskräfte, die das Reiseland Schweiz so sicher machen, überprüfen bloss hin und wieder, ob ein Gast unseres Landes über die nötigen Mittel verfügt. Ein Aufenthalt in der Schweiz soll schliesslich Spass machen, aber ohne Geld macht er keinen Spass, und mit Drogen erst recht nicht. Zu einem Rundum-Wohlfühl-Aufenthalt gehört, dass ein Gast Geld und keine Drogen mit sich führt, Drogen, die schlimmstenfalls dazu führen, dass aus der Reise in die Schweiz eine Reise ins Ich wird, und das kann niemand wollen, am wenigsten unsere einheimische Wirtschaft!

Manche unserer internationalen Gäste, mit den Sitten unseres Landes nicht vertraut, bringen hier die Dinge durcheinander: keinen Stutz im Rock, aber ein Rezept für Haschguetsli! Unsere Ordnungskräfte haben viele Jahrzehnte Erfahrung und möchten bei der Orientierung helfen, und zwar möglichst so, dass orientierte, kompetente Gäste sich nicht behelligt fühlen. Wer sauber und ordentlich aus seinem Hotelzimmer kommt, der braucht keine Hilfe; wer sich aber nicht einmal irgendwo hat waschen können und darum ‹als wie ein Mohr› herumläuft, den nehmen wir an die Hand, sogar in den Arm, unter Umständen auch noch in Gewahrsam, wo es ein Waschbecken, ein Bett, ja sogar anwaltliche Unterstützung gibt. Reiseland Schweiz – Serviceland Schweiz, das war immer das Motto von Schweiz Tourismus, und dafür stehe ich mit meinem guten Namen (Markus Berger)!

Erlauben Sie mir an dieser Stelle noch eine persönliche Bemerkung: Schwarze Menschen sind Menschen wie du und ich (bloss in Schwarz), und was wären unsere Sprache und Kultur ohne das schwarze Element! Vom Schwarzgeld bis zum Schwarzen Peter, vom Schwarzhandel bis zum kleinen Schwarzen – ich bin sicher, dass auch der ‹grosse Schwarze› Verständnis dafür hat und sogar Dankbarkeit empfindet, wenn ein ziviler (eben!) Beamter fragt, ‹ob alles in Ordnung ist›, geschweige denn eine unserer feschen Beamtinnen, von denen sich die nichteuropäische Lebens- und Liebeslust so unwiderstehlich angezogen fühlt!

Sorgen wir gemeinsam dafür, dass im Reiseland Schweiz alle auf ihre Kosten kommen; dem Land, in dem Probleme nicht existieren. Mein Wort darauf!»

Stefan Gärtner (BRD) war Redaktor bei der «Titanic» und ist heute Schriftsteller und «linksradikaler Satiriker» («Die Zeit»). An dieser Stelle nimmt er das Geschehen in der Schweiz unter die Lupe.

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