Nr. 25/2018 vom 21.06.2018

Jesusfreunde in der Galaxis

Von Daniela Janser

Von diesem Roman wird man eingesogen – und am Ende unsanft wieder ausgespuckt. Man blinzelt dann verwirrt in die Sonne und weiss kaum, was man vom Ganzen halten soll. «Das Buch der seltsamen neuen Dinge» ist ein leicht zu lesender, aber schwer verdaulicher Hybrid aus Science-Fiction, Missionarsbericht und Apokalypseroman. Der in Britannien lebende Autor Michel Faber («Under the Skin») schrieb die Geschichte in der schwierigsten Zeit seines Lebens: während seine Frau am Krebs zugrunde ging. Manchmal schaffte er bloss ein paar Zeilen pro Tag. Das ganze Buch ist knapp 700 Seiten lang.

Mit keiner der Figuren mag man sich so recht identifizieren, am wenigsten mit dem Protagonisten, dem Pastor Peter Leigh. Dieser lässt sich von einer obskuren Hightechfirma anheuern und wird als christlicher Missionar zum fernen Wüstenplaneten Oasis gesandt. Seine geliebte Frau muss er zurücklassen. Kaum ist er gelandet, schickt sie ihm verzweifelte Nachrichten: Die Erde wird von Klimakatastrophen heimgesucht, und auch das soziale Gefüge zerfällt alarmierend schnell. Doch Leigh widmet sich lieber seinen bibelversessenen Jesusfreunden, wie sich die fremdgestaltigen Einheimischen von Oasis nennen. Die Gattin und der Planet Erde rücken immer weiter in die Ferne.

Irritierend an diesem Setting ist nicht zuletzt, mit welcher Selbstverständlichkeit hier Frömmigkeit und traditionelle christliche Missionsarbeit in einem Science-Fiction-Setting beschrieben werden. Die OasierInnen wachsen Leigh ans Herz und weben sich mit ihrer Schnörkelschrift und ihrer gutmütigen Distanziertheit in den Text, den wir lesen. Leigh ist ein tiefgläubiger Weltverbesserer und Nächstenliebeprediger, der sich gleichzeitig seiner Ehefrau Bea gegenüber ziemlich unmöglich benimmt. Die sich einschleichende Fremdheit zwischen ihm und Bea findet eine Entsprechung in der wachsenden Entfremdung zwischen ihm und uns LeserInnen. Dass man das Buch trotzdem nicht weglegen mag, zeugt von einer tiefer liegenden Zugkraft.

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