Nr. 29/2018 vom 19.07.2018

Nöthigers letzte Ruine

Die Rehabilitierung der Geheimarmee P-26 soll das Geschichtsbild der Schweiz wieder konservativer machen. Die treibende Kraft dahinter ist der Burgenbauer Felix Nöthiger. Wer seinen Revisionismus verstehen will, muss seine Burgen besichtigen.

Von Kaspar Surber (Text) und Florian Bachmann (Foto)

Hier also sollte der Widerstand gegen allerlei Bedrohungen organisiert werden: Der Bunker «Schweizerhof» bei Gstaad.

Vom Dorf aus ist die Burg Haselstein gut zu sehen. Markant thront sie auf einem Felsvorsprung über Zillis-Reischen im Hinterrheintal. Ein steiles Fahrsträsschen führt durch den Wald hinauf. «Privat», warnt ein Schild bei der Zufahrt, «Besuche sind nur nach telefonischer Anmeldung möglich». Die beiden Holztore zur Burganlage sind fest verschlossen, Überwachungskameras leisten still rotierend ihren Dienst. Der Burgherr scheint ausser Haus zu sein.

Die Burg Haselstein wurde um 1273 vom bischöflichen Dienstmann Heinrich von Reischen erbaut. Als wenige Jahrzehnte später das Fundament ins Tal rutschte, gaben die von Reischens die Burg wieder auf. 1968 wurde Felix Werner Nöthiger zum neuen Burgherrn. Er konnte die «Magerwiese mit den Steinhaufen» kaufen, heisst es auf der Website des von ihm gegründeten Vereins Pro Castellis, des heutigen Besitzers. Nöthiger baute die Burg praktisch aus dem Nichts wieder auf. Was über Zillis-Reischen thront, ist eine Fiktion: die Imagination einer Burg, wie sie im Mittelalter kaum dort gestanden hat. Ausgestattet mit einem Schwimmbad für die BewohnerInnen von heute.

All das interessierte vorerst nur einige DenkmalpflegerInnen, die Nöthigers Burgenbau kritisch beurteilen. Bis sich Nöthiger 2005 einer anderen Ruine annahm, die in der Schweiz immer wieder zu reden gibt: die Geheimarmee P-26.

Amtlich, offiziell, ehrwürdig

Nöthiger gründete dafür das «Nationale Forschungsprojekt Résistance Suisse 1940–1990». Es hat sich zum Ziel gesetzt, die «unbekannte Geschichte der Vorbereitungen der Schweiz für den Besetzungsfall» aufzuarbeiten. Das Patronat für das Forschungsprojekt hat die Militärhistorische Gesellschaft des Kantons Zürich inne, als Trägerschaft fungiert der Verein Pro Castellis. Ein nationales Forschungsprojekt, eine kantonale Gesellschaft und ein Verein mit lateinischem Namen, das klingt amtlich, offiziell und ehrwürdig. Doch der Kontakt zu den drei Organisationen führt stets an die gleiche Privatadresse in Bäch im Kanton Schwyz, wo Felix Nöthiger offiziell wohnt.

Es ist nicht schwierig, mit Felix Nöthiger in Kontakt zu treten. Bei welcher der Organisationen man auch anruft, er meldet sich am Telefon stets mit einem lang gezogenen «Felix!». Nöthiger dann aber auch zu treffen, ist nicht möglich: Wiederholte, auch schriftliche Anfragen für ein persönliches Gespräch schlug er im letzten halben Jahr alle aus. «Sie werden in selektiver Leseweise das aus meinen Äusserungen herauspicken, was der Zementierung ihrer Feindbilder dient», schreibt er als Absage einmal. Sich selbst bezeichnet er als «historisch interessierten Bürger, der am verqueren Zerrbild der P-26 Anstoss genommen hat und sich bemüht, den Fakten die Ehre zu verschaffen. Nicht ideologisch gefärbt, weder durch die Brille des Armeeabschaffers noch der eines sturen Militärkopfes.» Die IdeologInnen, das sind bei Nöthiger immer die anderen. Selbst warnt er davor, etwas Ehrenrühriges über ihn zu schreiben: Er habe auch schon erfolgreich gegen Tamedia prozessiert.

Beruflich arbeitete Nöthiger als Primarlehrer, später als Fachoffizier im Zivilschutz und als Sicherheitsfachmann. Daneben beschäftigte er sich mit dem Burgenbau und der Geschichte der P-26. Pro Castellis unterhält heute mehr als zwanzig wehrhistorische Denkmäler, darunter auch militärische Festungen aus dem 20. Jahrhundert. Wie sich der Verein finanziert, ist auf der Website nicht ersichtlich, eine Spendenadresse sucht man vergeblich.

Einmal, es war an einem späten Abend, geriet der 75-Jährige am Telefon dann doch ein wenig ins Plaudern, erzählte von der Absicht hinter seinen Bemühungen: Die P-26 sei ein Mosaikstein im Museum der Schweizer Geschichte, der mit der falschen Seite nach oben liege. Sein Ziel sei es, ihn auf die richtige Seite zu drehen. Am nächsten Morgen folgte der Rückruf der Aussagen.

Die Schweigepflicht fällt

Die «falsche» Seite des Mosaiksteins, das ist nach Nöthiger das Bild der P-26 im Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) von 1990: das einer Geheimorganisation mit 400 rekrutierten Mitgliedern, die ausserhalb der verfassungsmässigen Ordnung agierte und deren Finanzierung durch das Militärdepartement gegenüber der Bundesversammlung absichtlich verschleiert wurde. Sie verfügte über unterirdische Kommandozentralen, über Waffen und Sprengstoff und hätte sowohl bei einer Besetzung fremder Truppen wie auch bei einem Umsturz im Inneren zum Einsatz kommen können. Nach der Fichenaffäre von den Medien als Geheimarmee skandalisiert, wurde sie zu einem Symbol für die antikommunistische Hysterie in der Schweiz im Kalten Krieg.

Die «richtige» Seite des Mosaiksteins im Sinn von Nöthiger zeigt eine Widerstandsorganisation von mutigen und hehren PatriotInnen, deren Vorläufer bereits in den Zweiten Weltkrieg zurückreichten, eine ideologisch neutrale Truppe, die sich gegen den Faschismus wie den Kommunismus gewehrt hätte. Mit der Aufdeckung sei diesen in ihrem Selbstverständnis vorbildlichen SchweizerInnen ein grosses Unrecht angetan worden.

Der Versuch der Rehabilitierung der P-26 wirkt wie eine militärische Übung, die Nöthiger über Jahre geplant hat. Ein erster Erfolg war die Aufhebung der Schweigepflicht für die ehemaligen Mitglieder. Den Vorstoss dazu hatte 2009 der Graubündner CVP-Ständerat Theo Maissen lanciert: «Ohne Dank und ohne Nachricht geblieben, aber unter längst sinnentleerter Schweigepflicht, warten diese Frauen und Männer auf eine erlösende Geste», schrieb Maissen. Der damalige SVP-Verteidigungsminister Ueli Maurer unterstützte die Forderung und bedankte sich im Parlament bei allen ehemaligen Mitgliedern. Nöthiger war auf der ZuschauerInnentribüne der einzige Gast, der diesem «geschichtlich bedeutsamen Ereignis» beiwohnte, wie er in einem Erinnerungsbeitrag schreibt, der sich im Netz findet. «Die gewährte Redefreiheit wird dazu führen, dass nun die durchaus schweizerisch-anständige Geschichte der Widerstandsvorbereitungen endlich erzählt werden darf.»

Die Hoffnung erfüllte sich. Die Organisation der P-26, ihre fehlende Legitimierung und die politischen Verantwortlichkeiten gerieten aus dem Blick, in den Vordergrund traten nun die rührigen Erzählungen der ehemaligen Mitglieder. «Veronika», «Tina» oder «Durisch», wie einige der Mitglieder mit ihrem Decknamen geheissen hatten, gaben ihre Geschichte in Fernsehshows, Regionalzeitungen und Filmen zum Besten. Nöthiger vermittelte auch einige ZeitzeugInnen an den Historiker Titus J. Meier, der diese Woche seine Dissertation zur P-26 veröffentlicht hat (vgl. «Ein Projekt des Bürgertums» im Anschluss an diesen Text).

Feudale Fiktionen

Um Nöthigers Umgang mit der Vergangenheit genauer zu verstehen, besichtigt man am besten weitere Burgen. Die Burg Innerjuvalt über Rothenbrunnen ist schon von der Bahnstrecke aus zu sehen. Ein Pfad führt durch den Wald hoch zum Burgturm, von dem man eine prächtige Aussicht über das Domleschg geniesst. Eine Ausstellung im Innern zeigt, dass auch hier vor Jahrzehnten nur eine Ruine stand und Felix Nöthiger den Turm mit HelferInnen in dieser Form erst aufgebaut hat. Zuoberst, in einem nachempfundenen Rittersaal, haben sie sich als «Convent zu Oberjuvalt» gleich selbst mit ihren Familienwappen verewigt, das der Nöthigers ist das erste.

Auch die Burg Hochjuvalt talabwärts hat Nöthiger gesichert. Auf einem Infopfad wird sie als «Porta Rhaetica» bezeichnet, wobei sich der wohlklingende Name urkundlich nicht nachweisen lässt. Zur Talsperre gehört auch eine Festung, die das Militär im Zweiten Weltkrieg in den Berg getrieben hat und die erst nach dem Ende des Kalten Krieges aufgegeben wurde. Die Betonblöcke der Panzersperre wurden bei der Restaurierung mit Tarnfarbe bemalt, als drohe weiterhin ein sowjetischer Einmarsch.

Felix Nöthiger, der sich auf der Website von Pro Castellis als «Bündner Burgenbaumeister» bezeichnet, stiess mit seinen Rekonstruktionen nicht nur auf Begeisterung unter den DenkmalpflegerInnen. Lukas Högl, ein Architekt aus Zürich, hat in Graubünden die meisten Ruinen gesichert und amtet auch als Experte für Burgendenkmalpflege des Bundesamts für Kultur. Er lobt im Gespräch Nöthiger für sein handwerkliches Geschick, seine Vorgehensweise bei der Restaurierung teilt er hingegen nicht.

Högl holt in der Geschichte der Denkmalpflege aus. Im 19. Jahrhundert gab es in der Disziplin einen Richtungsstreit zur Frage, ob man historische Ruinen konservieren oder die vormaligen Bauten rekonstruieren soll. «Die Denkmalpflege soll den Zeugniswert eines Originals erhalten. Es soll möglichst wenig davon abgebrochen, aber auch möglichst wenig rekonstruiert werden, damit nachfolgende Generationen sich immer noch mit dem Original beschäftigen können.»

Simon Berger, der Leiter der kantonalen Denkmalpflege in Graubünden, bestätigt diese Sicht. «Ruinen sind wie ein Geschichtsbuch, das man auch in Zukunft lesen können muss. Was zählt, ist die Erhaltung der historischen Substanz, nicht die schöne Ansicht.» Der Ansatz von Felix Nöthiger, der den Ruinen neues Leben einhauchen wolle, sei damit nicht in jedem Fall kompatibel. Nöthiger bringe zur Erhaltung mittelalterlicher Bauten viel Herzblut mit sowie mit seinem Verein das nötige Kapital. Angesichts knapper Kassen bei Kanton und Gemeinden sei das oft für die Realisierung eines Projekts ausschlaggebend.

Mit Mittelalterfiktionen, wie es die von Nöthiger rekonstruierten Burgen in Zillis-Reischen oder Rothenbrunnen darstellen, kann Architekt Högl wenig anfangen: Wenn plötzlich wieder Burgen statt Ruinen in der Gegend stehen, feiere man eine feudale und autoritäre Zeit, in der die Oberen noch ausserhalb der Bauzone bauen durften. Die Vorstellung der Wehrhaftigkeit der Schweiz sei das verbindende Element in Nöthigers Arbeit, meint Denkmalpfleger Berger: «Sie zieht sich für ihn wohl wie ein roter Faden von den Talsperren im Mittelalter über die Festungen in den Weltkriegen bis zur P-26.»

Der zweite Schritt bei der Würdigung der P-26-Mitglieder nach der Aufhebung der Schweigepflicht war ihre Verdankung. Nöthiger liess für sie mit der Militärhistorischen Gesellschaft in verschiedenen Kantonen Feiern ausrichten. Und wieder gelang es ihm, PolitikerInnen für sein Unterfangen zu gewinnen, die den Anlässen einen offiziellen Anstrich verliehen.

Die Feier für die Nordwestschweiz fand in Baselland statt. Die Regierung meinte dabei, sie stütze sich auf einen offiziellen Bundesbeschluss. Wie Recherchen der «TagesWoche» damals zeigten, hatte Nöthiger die Regierung offenbar in die Irre geführt: Auf Nachfrage konnte er keinen Beschluss vorlegen. Doch da war die Ehrung schon vorbei, und der grüne Sicherheitsdirektor Isaac Reber hatte im repräsentativen Schloss Ebenrain die VeteranInnen geschichtsvergessen gewürdigt: «Die beste Versicherung ist die, welche man letztlich gar nicht braucht! Sie waren Teil einer solchen Versicherung.» Den P-26-Mitgliedern wurden «eidgenössische Dankesurkunden», unterzeichnet von drei ehemaligen Generalstabschefs, sowie ein «Erinnerungsmesser» überreicht.

Selbst Todesanzeigen nutzte Nöthiger, um Mitglieder zu rehabilitieren. Eine Todesanzeige für Hans-Rudolf Strasser «vulgo Franz», der als Informationschef des Militärdepartements und gleichzeitig als Ausbildner der P-26 gewirkt hatte, war aggressiv, ja rachsüchtig formuliert. Strasser sei vom wegen der «Fichenpsychose restlos entnervten» Bundesrat Kaspar Villiger aus dem Amt gejagt worden, hiess es darin.

Der Lordsiegelbewahrer

Selbst bei ihm Wohlgesinnten stiess Nöthiger mit seinen Aktivitäten zunehmend auf Kritik. So etwa beim Journalisten und Historiker Martin Matter, der schon 2012 ein positives Buch zur P-26 veröffentlichte. In einem Nachwort zur «Causa Nöthiger» schreibt er über seinen Mitstreiter: «Er inszeniert sich als Alleininhaber des P-26-Erbes und tritt als ‹Lordsiegelbewahrer› der Deutungshoheit auf, der keine fremden Götter neben sich duldet und die Kontrolle über alle Veröffentlichungen zum Thema auszuüben versucht.»

Nöthiger konnte seinen Monopolanspruch dennoch weiter durchsetzen. Ende letzten Jahres eröffnete er, als bisher letzten Schritt, ein Museum in der einstigen Führungszentrale der P-26 in Gstaad: das Musée Resistance Suisse (1940–1990). Unterstützt wurde Nöthiger dabei einmal mehr von Ueli Maurer, der an der Eröffnung eine Rede hielt. Die Armasuisse hatte Nöthiger in Maurers Zeit als Verteidigungsminister die Anlage zugehalten. Obwohl ein IT-Anbieter ein Vorkaufsrecht hatte, durfte er darin kein Betriebsgebäude einrichten. Für den Spottpreis von 5000 Franken ging der Bunker an Pro Castellis.

Das Museum bleibt, angeblich wegen gesperrter Akten, bis ins Jahr 2041 geschlossen. Lediglich Sponsoren erhalten Zugang. Die Geschichte der P-26, die angeblich unideologisch aufgearbeitet werden soll – sie bleibt nur Auserwählten zugänglich.

Konservative Wende

Felix Nöthiger war selbst nie Mitglied der P-26. Ermutigt zu seinen Aktivitäten wurde er von seinem Bekannten Albert Bachmann, der den Vorläufer der P-26 konzipiert hatte. Bachmann war auch der Hauptautor des 1969 erschienenen, umstrittenen «Zivilverteidigungsbüchleins», in dem das bedrohliche Bild einer politisch unterwanderten Schweiz gezeichnet wurde.

Nöthiger mag ein Kulissenschieber sein, der sich hinter allen möglichen Organisationen versteckt, die seinen Aktivitäten einen offiziellen Anstrich verleihen. Er mag sich in seinem Burgenbau ein wehrhaftes Mittelalter imaginieren, wie er aus der Ruine der P-26 eine Truppe von hehren PatriotInnen rekonstruiert.

Bei der Umdrehung des Mosaiksteins ist er aber durchaus erfolgreich. Die P-26 ist zum Vehikel geworden, um in einer konservativen gesellschaftlichen Grundstimmung wieder ein ebensolches Geschichtsbild durchzusetzen. Jene, die vom Staat jahrelang überwacht worden waren und nach 1989 einem demokratischen Rechtsstaat zur Geltung verhalfen, gelten wieder als NestbeschmutzerInnen.

Ob sich Nöthigers Lesart der P-26 durchsetzen kann, wird die Zukunft weisen. Sanierte Ruinen, mag man sich denken, überdauern Jahrhunderte. In der Regel, weiss der Denkmalexperte Högl, müssen sie jedoch alle ein bis zwei Generationen neu gesichert werden.

Das neue P-26-Buch

Ein Projekt des Bürgertums

«Die Mär von der Schweizer Geheimarmee»: Unter diesem Titel lancierte der Historiker Titus J. Meier in einem Beitrag für die «NZZ am Sonntag» sein neues Buch gleich selbst. Er kritisiert darin die Ergebnisse der PUK-Untersuchung von 1990, und man fragt sich, ob er sich mit dieser Fixierung einen Gefallen tut. In seinem Buch kann er zwar nachweisen, dass die P-26 keine private Organisation, sondern in die Bundesverwaltung eingebunden war. Das mag die Frage der PUK hinfällig machen, ob bei der P-26 staatliche Aufgaben an Private delegiert wurden. Es ändert aber nichts daran, dass grundsätzlich eine gesetzliche Grundlage für die Organisation fehlte.

Das Verdienst des Buchs liegt darin, dass Meier mit mehr als hundert Beteiligten gesprochen sowie die zugänglichen Akten im Bundesarchiv und ungezählte Medienberichte gesichtet hat. So kann er exakt den Aufbau und die Finanzierung der P-26 beschreiben. Er zeigt auf, wer davon gewusst hat: alle Verteidigungsminister, aber nie der Gesamtbundesrat. Und er liefert interessante Details am Rand: etwa die Berufe der rekrutierten Mitglieder, zu denen viele Geschäftsführer und LehrerInnen, aber selten einfache Angestellte oder ArbeiterInnen gehörten. Die P-26 wollte die ganze Gesellschaft repräsentieren, blieb aber offenbar grösstenteils ein Projekt des Bürgertums.

Titus J. Meier ist selbst Major im Generalstab. Entsprechend gilt sein Interesse besonders den militärischen Verteidigungskonzeptionen, die sich in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg durchsetzten, sowie der Frage, welchen Stellenwert darin die P-26 und ihre Vorgängerorganisationen hatten. Die P-26, schreibt er an einer Stelle, sei ein «Kind der Bedrohungsperzeption des Kalten Krieges». In dieser militärhistorischen Perspektive kommen gesellschaftspolitische Aspekte notgedrungen zu kurz. Letztlich hat die P-26 nicht nur auf die kommunistische Bedrohung reagiert, sondern diese auch imaginiert. Die Geschichte der P-26 als Element der antikommunistischen Staatsideologie der Schweiz ist immer noch zu schreiben.

Kaspar Surber

Titus J. Meier: «Widerstandsvorbereitungen für den Besetzungsfall». NZZ Libro. Zürich 2018. 592 Seiten. 54 Franken.

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