Nr. 42/2018 vom 18.10.2018

Zwischen zwei Welten

Die DrusInnen auf den von Israel besetzten Golanhöhen sind im Herzen immer noch SyrerInnen, auch wenn viele noch nie auf der anderen Seite des Grenzzauns waren. Seit fünfzig Jahren leben sie in einem Provisorium.

Von Agnes Fazekas (Text) und Jonas Opperskalski (Fotos), Tel Aviv / Madschdal Schams

Es gibt vermutlich wenige Bauherren, die den Balkon ihres Eigenheims so anlegen würden, dass der Blick in einer mit Stacheldraht bewehrten Grenzanlage hängen bleibt. Aber für die BewohnerInnen des Dorfs Madschdal Schams ist genau diese Aussicht eine hochemotionale Angelegenheit. Denn auf der anderen Seite der Barriere liegt Syrien, und jeder der 9000 Einheimischen hat Familie dort drüben. Entweder gleich hier am Hang des Hermongebirges, im eine Autostunde entfernten Damaskus oder in den Vulkanbergen im Südwesten.

Madschdal Schams liegt 1300 Meter über Meer auf dem Golan, wurde 1967 im Sechstagekrieg von Israel erobert und wie die drei umliegenden Dörfer Anfang der Achtziger annektiert – gegen den heftigen Widerstand ihrer BewohnerInnen: syrischer DrusInnen.

Jetzt im Spätsommer zu den jüdischen Feiertagen quälen sich RennradlerInnen über die Serpentinen des staubigen Bergs hinauf zu einer Kolonne weisser Raupenfahrzeuge der Armee und einer lustigen Schneemannfigur, die das einzige israelische Skiresort markiert. Unten im Tal bringen die ApfelbäuerInnen auf kleinen Treckern ihre Ernte ein.

Botschaften mit dem Lautsprecher

Auch Shefaa Abu-Jabal wird morgen früh mit ihrem Vater in die Äpfel fahren. Jetzt aber steht sie in schwarzem Minikleid an der Strasse über der letzten Häuserreihe und blickt zu einem markanten Hügel hinter der Grenze. Früher haben sich dort die Familien versammelt, um mit den Lautsprechern hinüber ins Dorf zu rufen, das hinter der 33-Jährigen am Hang liegt.

«So sind wir», sagt sie, «hier wie dort zerrissen.» Ihr Vater sass als Widerständler gegen die Annexion im israelischen Gefängnis. Sie selbst bezeichnet sich als syrische Araberin, auch wenn sie Syrien nie betreten hat. Das Drusentum ist ihr egal: «Das ist nur eine Religion.» Den Geheimkult darum findet sie albern.

Soweit bekannt handelt es sich beim Drusentum um eine spezielle Auslegung des Korans, beeinflusst von griechischer Philosophie und gnostischen Ideen. Tausend Jahre ist es her, dass sich die DrusInnen in Ägypten vom Islam abgespalten haben. Bald nach dem Tod ihres Religionsgründers wurden sie dort verfolgt, woraufhin sie ins Bergland des Libanon und Syriens flüchteten. Als religiöse Minderheit arrangierten sie sich meist mit der herrschenden Macht.

Auch im Norden des heutigen Israel lebten zur Staatsgründung DrusInnen. Nachdem die Regierung sie 1957 als Religionsgemeinschaft anerkannt hatte, stellten sie sich den JüdInnen loyal zur Seite und gelten seitdem als Blutsbrüder: Sie kämpfen und fallen für Israel.

In Syrien hatten die DrusInnen durch ihren Einsatz in den Streitkräften politischen Einfluss gewonnen. Ähnlich wie die Minderheit der AlawitInnen, die sich mit Baschar al-Assads Vater Hafis 1966 an die Macht putschte. Das war das Jahr, bevor die Grenzen im Sechstagekrieg neu gezogen wurden.

Für die DrusInnen auf dem besetzten Golan stand es ausser Frage, dass sie Syrien und der Assad-Familie treu bleiben würden. Kaum zehn Prozent haben den israelischen Pass angenommen, als Israel ihn in den Achtzigern anbot, einige gaben ihn auf Druck der Gemeinschaft wieder zurück. Auch Shefaa Abu-Jabal hatte nie einen Reisepass, nur einen Passierschein, in dem unter der Rubrik «Nationalität» «unbestimmt» vermerkt ist.

Getäuschte Hoffnungen

Dieser Status ist das Dilemma ihrer Generation. Die beliebteste Bar auf der Hauptstrasse von Madschdal Schams hiess ursprünglich «Undefined», unbestimmt. Später taufte man sie in Why?-Bar um. Die lokale Band Toot Ard benannte ihr letztes Album nach dem Passierschein «Laissez passer», darauf singt sie: «Keiner kennt deine Wurzeln, deine Heimat ist unbekannt.» Stolz und melancholisch klingt das und etwas verloren.

All die Jahre lebten die DrusInnen auf dem Golan in der Hoffnung, dass Syrien bald mit Israel verhandeln, sie zurückholen werde. Eine Hoffnung, die dadurch genährt wurde, dass die ApfelbäuerInnen mithilfe des Roten Kreuzes weiterhin ein Viertel ihrer Ernte in die Heimat verkaufen konnten. Dass Israel Genehmigungen ausgab, die es erlaubten, in Syrien zu studieren, zu heiraten oder Verwandte zu besuchen. Und dass Syrien im Gegenzug mit Stipendien an die Universität in Damaskus lockte. ÄrztInnen mit syrischem Diplom sind auch in Israel gefragt. Als Resultat sind das Bildungsniveau hoch und der Wohlstand gross in den Bergdörfern, obwohl diese vor gerade mal fünf Jahren ans israelische Busnetz angeschlossen wurden.

Dann kam der Krieg in Syrien.

Das Erste, was Shefaa Abu-Jabal davon sah, waren palästinensische DemonstrantInnen, die im Mai 2011 zum 63. Jahrestag der Besatzung von Syrien her über die Grenze in ihr Dorf stürmten. Die syrische Opposition beschuldigte damals das Assad-Regime, die DemonstrantInnen bezahlt zu haben. Israel vermutete, Assad wolle von den Unruhen im Land ablenken.

Der Anblick der heranstürmenden PalästinenserInnen muss bewegend gewesen sein, aber die DorfbewohnerInnen blickten nur auf das Land vor ihrer Haustür und dachten: «Da sind ja gar keine Minen!» 44 Jahre hatte sich keiner getraut, einfach hinüberzulaufen.

Der Zaun wurde daraufhin verstärkt, der nahe Grenzübergang Kuneitra wurde geschlossen. Die Verwandten kamen nicht mehr zum «Shouting Hill», dem Hügel, wo man sich die Botschaften zurief. Stattdessen hörte Shefaa Abu-Jabal nun dumpf das Grollen des Bürgerkriegs. Das Land auf der anderen Seite geriet in die Hände von al-Nusra. «Wir konnten mit dem Fernglas unsere Leute aus ihren Häusern laufen sehen», erzählt sie.

Während die Alten im Dorf umso mehr auf Assad setzten, den vermeintlichen Beschützer der Minderheiten, begannen die Jungen zu zweifeln, schockiert von der Brutalität des Regimes.

Bloggen für die Opposition

Shefaa Abu-Jabal war nicht nur eine der Ersten im Dorf, die sich Ohrringe stechen liessen und Bier tranken. Sie war auch eine der Ersten, die sich zu fragen trauten: «Was macht Assad da?» Sie verfasste mit anderen jungen GolandrusInnen ein Manifest, mit dem sie sich auf die Seite der RebellInnen stellte; in dem Text hiess es: «Ihr seid die Stimme, und wir sind das Echo.» Sie bloggte und twitterte und postete in Facebook-Gruppen. Bis ihre Tante in Syrien Drohungen erhielt.

Den Alten im Dorf missfiel nicht nur ihr politischer Aktivismus, sondern auch, dass die damals 25-Jährige in der israelischen Küstenstadt Haifa lebte, alleine als Frau, unverheiratet. Damals studierte sie Recht und Journalismus.

Heute arbeitet Shefaa Abu-Jabal als Übersetzerin. Und führt ein Leben voller Widersprüche. In Madschdal Schams spricht sie Arabisch. In Haifa wird sie mit ihren grünen Augen und dem akzentfreien Hebräisch oft für eine russische Jüdin gehalten. «Wenn sie meine politischen Ansichten hören, ist das aber schnell vorbei.» Religiöse Fragen liegen ihr fern, und doch ist die Religion ihr wesentliches Identitätsmerkmal in diesem Land. In Haifa rauchte sie früher Zigaretten, für Frauen im Dorf immer noch ein Tabu. Hier bestellt sie nun manchmal eine Shisha im Ausflugslokal und ärgert sich darüber, dass die Speisekarte auf Hebräisch verfasst ist. In Haifa ist sie mit Israelis befreundet, auf dem Golan verachtet sie die SiedlerInnen. Sie liebt ihr Dorf und will hier doch nicht mehr leben.

Wie tief die Kluft ist zwischen der älteren und der jüngeren Generation ist, zeigt sich beim Hochzeitsfest, das an diesem Abend in Madschdal Schams gefeiert wird. Im Dorfkern – nicht weit von der säbelschwingenden Statue von Sultan Pascha al-Atrasch, der sich in den Zwanzigern an die Spitze des Aufstands der Syrer gegen die Franzosen gestellt hatte – sitzen auf der Strasse die Männer in Stuhlreihen. Die Treppe hinunter in einem Innenhof hocken in einem Stuhlkreis die Frauen. Ein paar der älteren Menschen tragen die Tracht der Religiösen: weisse Häkelmütze und schwarze Pluderhose die Männer, weisser Schleier, schwarzes Kleid die Frauen. Viele junge Frauen tragen dagegen einen Hauch von Nichts und High Heels.

Shefaa Abu-Jabal tauscht auf dem Fest ein paar höfliche Worte mit Bekannten aus. Sie ist selbst verlobt, mit einem Sushikoch aus Haifa. Ein Druse natürlich, das schon. Allerdings kein Syrer. «Er begreift sich als Palästinenser», sagt sie. «Er war nicht bei der Armee.» Das ist ihr wichtig.

Die DrusInnen glauben an die Wiedergeburt. Deshalb kann man nicht konvertieren zum Drusentum – und man kann es nicht abschütteln. Und das bedeutet noch heute: Man heiratet innerhalb der Gemeinschaft. Oder muss sie verlassen.

Shefaa Abu-Jabal reicht es mit dem Herumsitzen auf dem Trockenen. Sie will ein Bier, zieht sich die hohen Hacken aus und läuft barfuss über die steilen Gassen in eine Bar namens «Green Apple».

Die Why?-Bar, der «Green Apple», das «Après Ski». Rastalocken, Hipsterbärte, Goldketten. Es wird Hochprozentiges ausgegeben wie in Tel Aviv. Es wird gefeiert bis morgens um drei. In keinem der umliegenden arabischen Dörfer gibt es Vergleichbares. Unten in den Kratersee zwischen den Obstplantagen haben ein paar Findige nach dem Thailandurlaub ein Partyschiff aus Bambus gesetzt. Die jungen DrusInnen fliegen aus, aber fast immer kommen sie zurück. Machen das Dorf zu einem Spiegelbild ihrer Existenz: nicht hier, nicht dort, und doch zu Hause.

Der Widerstand bröckelt

Einer von ihnen ist Boogie. Den Spitznamen hat der 27-Jährige beim Barkeeperkurs in Tel Aviv verpasst bekommen. Eigentlich heisst er Bahjat Mari. Davor hat er in Berlin Informatik studiert und spricht fliessend Deutsch. Jetzt arbeitet er am Wochenende in der Why?-Bar, vermietet seine Junggesellenbude an RucksacktouristInnen und nutzt die steilen Strassen hinter dem Haus für sein Triathlontraining.

Zum Reisen hat er sich einen israelischen Pass besorgt, wie inzwischen ein Fünftel der Einheimischen. Seit dem Krieg bröckelt der Widerstand gegen Israel. Eigentlich hat Mari keine Lust, über Politik zu sprechen: «Ich will ein gutes Leben haben, das habe ich in Israel eher als in Syrien.» Überhaupt, man müsse nur mal nach draussen auf die Strasse schauen: «Guck dir die Autos an, die Leute haben Geld, und sie wollen es hier ausgeben!»

Wenn er in Berlin gefragt wurde, woher er komme, sagte er: «Aus Israel.» Es ist ja auch kompliziert. Wer weiss schon, wer die DrusInnen sind? Die meisten von ihnen wissen es ja selbst nicht so genau.

Von der Religion bekommt man kaum etwas mit, wenn man nicht zum Zirkel der Eingeweihten gehört. Diese verpflichten sich, nicht nur die Heiligen Schriften zu studieren und religiöse Gebote einzuhalten, sondern auch die Geheimnisse des Glaubens zu wahren. An alten Häusern sieht man den fünffarbigen Stern über dem Türstock eingraviert. Eine Handvoll Prophetengräber liegen über den Golan verstreut. Das ist alles.

Kollektiv bestraft

Auch Ata Farhat ist in den Augen der Eingeweihten ein Unwissender. Für ihn bedeute Religion, sich um seine Leute zu kümmern. Deswegen sei er Journalist geworden, sagt der 45-Jährige. Er sitzt im Dorf Bukata auf der Dachterrasse seines gerade erst gebauten Hauses. Neben ihm steht seine Feiertagsshisha, an seinen Fingern knabbert ein Welpe, der seinen Kindern gehört.

Farhat erinnert sich an den Moment, als ihm klar wurde, dass die GolandrusInnen eine Stimme brauchen. Seine Stimme. Es war in der Zeit, als Israel die Annexion beschlossen hatte und die DrusInnen in den Generalstreik traten. Israel reagierte mit einer Kollektivstrafe, schnitt die Dörfer von Wasser und Strom ab. Am internationalen Frauentag gingen die Drusinnen von Bukata auf die Strasse. Farhats Grossmutter wurde bei der Demo erschossen.

Als Farhat vor sechzehn Jahren von seinem Studium in Damaskus zurückkam, nahm man ihn gleich an der Grenze fest und steckte ihn für vierzehn Monate ins Gefängnis. Er war in einer syrischen StudentInnenorganisation aktiv gewesen.

Danach gründete er die lokale Nachrichtenseite «Golan Times», arbeitete in Ramallah für das syrische Fernsehen, was jedoch anstrengend wurde, weil er am Checkpoint jedes Mal Probleme bekam. Ausserdem schrieb er für seine private Website «al-Watan» (die Heimat). Nur wenige Tage nach seiner Hochzeit mit einer Drusin aus Madschdal Schams wurde er wieder festgenommen. Diesmal sass er drei Jahre. «Der israelische Geheimdienst hat nach dem Libanonkrieg Kontaktleute zur Hisbollah gesucht, und ich war ein einfaches Ziel», erklärt er schulterzuckend den Grund für seine Festnahme.

Farhat macht keinen Hehl daraus, dass er Assad unterstützt. Im Gegenteil. Sein Wohnzimmer sieht aus wie ein Schrein mit all den Fotos und Flaggen. «Er ist ein Held», sagt Farhat. «Er wird Syrien einen und uns zurückholen.»

Heute arbeitet er vom Golan aus als Korrespondent für das syrische Fernsehen. Er zeigt ein Video, das er kürzlich in Bukata aufnahm: 3000 DrusInnen versammelten sich, um gegen den IS zu protestieren. Die Bilder rühren ihn immer noch zu Tränen. Im Juli haben Islamisten in der Drusensiedlung al-Suwaida ein Massaker verübt, bei dem 300 Menschen umkamen. Er sagt: «Jeden Morgen rufe ich Freunde und Verwandte an, um sicherzugehen, dass sie noch leben.»

Ein anderer Bericht zeigt einen Apfelbauern, der sich dagegen wehrt, dass israelische SoldatInnen seinen Hain umpflügen, um «Militärgelände» daraus zu machen. Die Äpfel sind nicht nur eine wichtige Einkommensquelle, sie sind auch die letzte Verbindung zu Syrien. Mit der Subvention der GolanbäuerInnen zeigt Assad seine Unterstützung. Immerhin: Seit August sind die Uno-Blauhelme zurück in der Pufferzone, und Israel will den Grenzübergang Kuneitra wieder öffnen, zumindest für die Äpfel.

Ein anderes Thema, das derzeit viel mediale Aufmerksamkeit auf die Drusendörfer lenkt, lässt Farhat kalt: Das erste Mal seit 1967 dürfen die Dörfer BürgermeisterInnen wählen. «Die meisten hier wollen gar nicht wählen», sagt Farhat. Und das Ergebnis sei sowieso nicht repräsentativ.

Zumindest mit Letzterem hat er recht. Denn als KandidatInnen sind nur DrusInnen mit israelischem Pass zugelassen. Die religiösen Führer rufen dazu auf, Kandidatinnen und Wähler zu ächten.

Der Wahlkampf spaltet

Auch Shefaa Abu-Jabal wird nicht wählen: «Israel ist plötzlich so nett zu uns. Es fühlt sich an, als ob sie uns aushorchen wollen.» Sie sorgt sich, dass die Wahlen die Gemeinschaft weiter auseinanderreissen könnten. «Wir haben zwei grosse Klans in unserem Dorf, die bewerfen sich jetzt schon mit Schmutz.» Allerdings bislang allein auf Facebook. In den vier Dörfern sieht man keine Spur vom Wahlkampf.

Die einzige Kandidatin, die nicht auf ihren Familiennamen vertraut, ist Samira Rada-Amran. Sie habe Kärtchen in die Briefkästen geworfen, sagt die 47-Jährige aus Ein Kinya, dem kleinsten Dorf. Mit mädchenhaften Locken und im rosa Jeanskleid sitzt die gelernte Bankerin in ihrer Praxis, die sie kürzlich an der Hauptstrasse eröffnet hat: Paartherapie bietet sie hier an. Mit Tabuthemen kennt sie sich aus, ihre Masterarbeit hat sie über vorehelichen Sex in der arabischen Gesellschaft geschrieben.

«Für mich ist die Wahl an sich wichtig, egal wie sie ausgeht», sagt sie. «Die Leute sollen verstehen, dass die religiösen Führer nicht allein für uns entscheiden können.» Damit meint sie vor allem: die Männer.

Grosse Chancen rechnet sie sich nicht aus, denn insbesondere die Frauen fürchteten den Bann der religiösen Führer genauso wie den der Verwandtschaft, hier und in Syrien. Sie erinnert sich, wie ihr Vater die grosse Schwester damals zum Studieren schickte und die Scheichs ihm zur Strafe verboten, in den Tempel zu kommen. «Es war ein Kampf», sagt sie. «Aber danach haben alle Väter ihre Töchter zum Studieren geschickt.»

Dass seine Tochter sich nun als israelische Bürgermeisterin zur Wahl stelle, bereite dem Vater trotzdem Kopfzerbrechen. Er selbst hat noch als Soldat für Syrien gekämpft. Rada-Amran versteht das: «Die Alten wissen noch, wie es sich anfühlt, ein Heimatland zu haben.»

Als sie sich vor sechs Jahren ihren israelischen Pass ausstellen liess, dachte sie an ihre Söhne aus erster Ehe mit einem israelischen Drusen, die bald in der Armee dienen sollten. Und daran, dass sie es satthatte, wie ein Haustier mit Passierschein zu reisen: «Ich wollte endlich ein Heimatland haben. Eins, zu dem ich gehöre!»

So einfach ist es jedoch nicht. Diesen Sommer hat sich Israel mit dem Nationalgesetz endgültig zum Staat der JüdInnen erklärt und damit auch seine drusischen «Blutsbrüder» zu BürgerInnen zweiter Klasse.

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