Nr. 43/2018 vom 25.10.2018

Rebellion, industriell weichgespült

Von Stephan Pörtner

Der Umstand, dass «Greatest Hits» der Eagles Michael Jacksons «Thriller» als meistverkauftes Album aller Zeiten abgelöst hatte und auf Platz drei auch schon «Hotel California» derselben Band folgte, war ein deutliches Zeichen des Zerfalls der westlichen Werte. War «Thriller» in aller Welt, unabhängig von Klima, Wirtschaftsleistung und Religion, begeistert aufgenommen und verstanden worden, liessen sich die Eagles ohne mittelständischen Hintergrund, Motorfahrzeugbesitz und fortgeschrittenes Alter kaum ertragen. Der rebellische Rock ’n’ Roll, der einst die Jugend in aller Welt begeistert und für Aufbruch, Tanzwut und Generationenkonflikt gestanden hatte, war zum pflegeleichten Industrieformat Softrock verkommen, das zur Weltverbesserung und Völkerverständigung nie etwas beitragen würde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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