Nr. 51/2018 vom 20.12.2018

«System- statt Klimawandel!»

Von Daniel Stern

Die Klimabewegung in der Schweiz nimmt weiter Fahrt auf. Diesen Freitag treten SchülerInnen aus Bern, Basel, St. Gallen und Zürich in einen Streik, um Massnahmen gegen den Klimawandel zu fordern. «Keine Zeit für Schule und Arbeit, wir müssen jetzt handeln», heisst es in Aufrufen, die vor Schulen und Universitäten verteilt werden und zu Kundgebungen aufrufen. Sie lassen sich dabei von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg inspirieren, die seit Monaten jeden Freitag in den Klimastreik tritt (siehe WOZ Nr.  50/2018). Thunberg hatte während der Klimakonferenz in Kattowitz eine viel beachtete Rede gehalten. Den anwesenden PolitikerInnen sagte sie: «Ihr seid nicht mal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen, die Bürde überlasst ihr uns Kindern.» So heisst es denn auch in Flugblättern der Schweizer SchülerInnen: «Die Politik schaut tatenlos zu, während das Klima sich erhitzt – wir wehren uns dagegen.»

Schon vergangenen Freitag versammelten sich in Zürich rund 300 SchülerInnen in einem spontan organisierten Streik vor dem Zürcher Stadthaus und zogen anschliessend durch die Stadt. Sie skandierten etwa «System change, not climate change» und «Züri autofrei». Nach der Aktion wurde die Idee geboren, den Streik auszuweiten. In den vergangenen Tagen haben sich so SchülerInnengruppen via Whatsapp ausgetauscht und koordiniert. Die gemeinsame Forderung an ihre Städte und Kantone lautet nun: Sie sollen den Klimanotstand ausrufen.

Diese Forderung orientiert sich an kalifornischen und britischen Städten, die das bereits getan haben. Am 11.  Dezember hat auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan den Klimanotstand deklariert. Er kritisierte nicht nur die Untätigkeit der britischen Regierung, sondern kündigte auch grosse Investitionen in den Klimaschutz an. Immer mehr Städte und Regionen setzen sich – angesichts untätiger Zentralregierungen – klare Ziele, bis wann sie CO2-neutral sein wollen, und mischen sich in die Klimadebatte ein. Schweizer Städte und Kantone halten sich dagegen diskret im Hintergrund. Die SchülerInnenstreiks wollen das nun ändern. So heisst es im Aufruf auch: «Wir streiken, bis gehandelt wird!»

Besammlungsorte für die Kundgebungen am Freitag, 21. Dezember 2018: Basel, Marktplatz, 11 Uhr; Bern, Bahnhofplatz, 10 Uhr; St. Gallen, Haupteingang KSBG, 9.20 Uhr; Zürich, Stadthaus, 9 Uhr.

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