Nr. 04/2019 vom 24.01.2019

Dem Serientäter auf den Fersen

Von Hannes Nüsseler

Alles Pollock oder was? Boden, Wände, Leinwände: Das ganze Atelier ist mit Farbe bekleckert, verschmiert und bespritzt. Auch Christian Eisenberger sieht in seiner Arbeitskluft aus wie durch den Farbkessel gezogen. Doch schützt ihn die Camouflage nicht vor der Frage aus dem Off, was das denn nun sei, Kunst.

«Kunst ist eine Ausrede», erklärt Eisenberger, während er noch mehr Farbe anrührt. «Ich machs halt einfach.» Grundsätzlich könne das jeder, ergänzt er und seufzt: «Das sind aber grosse Fragen.» Drunter will es der Schweizer Regisseur Hercli  Bundi, der schon Dokumentarfilme mit Ai Weiwei und Not Vital gedreht hat, auch nicht machen. Beharrlich bleibt er dem österreichischen Künstler auf den Fersen, der mit vierzig Jahren schon 45 000 Werke geschaffen hat. Was treibt diesen Serientäter an?

Zu Wort kommt nicht nur Eisenberger selbst, Bundi befragt auch Galeristen, Sammlerinnen, KunstkritikerInnen – und die Eltern. Als Bub habe er schön gezeichnet, berichtet die Mutter, aber was er jetzt so mache: na ja. Was das ist, das kann man in dem ebenso unterhaltsamen wie anregenden Dokumentarfilm «Eisenberger» zumindest  erahnen. Ob der Österreicher mit Rauch malt, nackt durch Eiszapfen rennt oder vierzig Tage lang in einer Kirche schweigt: Eisenberger macht, worauf er Lust hat. Selbst wenn andere sich dadurch vor den Kopf gestossen fühlen.

Für den Kunstbetrieb ist so einer wie Eisenberger eine Zumutung. Mit seinen Skulpturen, Installationen, Videoarbeiten und Malereien sprengt er jeden Marketingrahmen. Wenn der Künstler seine überbordende Kreativität doch nur endlich mal zügeln würde, klagt ein Museumsdirektor. Doch die künstliche Verknappung des Angebots zugunsten eines Kunstmarkts ist nicht Eisenbergers Sache. Seine Farben bezieht er vom Baumarkt,  seine Werke würde er am liebsten verschenken. Hauptsache, im Atelier wird Platz frei für Neues.

Und wie frei ist der Künstler dabei selbst? «Freiheit muss man sich erarbeiten», gibt der charmant Unnahbare zu Protokoll. Es ist eine Freude, Christian Eisenberger bei dieser Arbeit zuzusehen.

In: Solothurn, Landhaus, Sa, 26. Januar 2019, 17.45 Uhr, und Reithalle, Mo, 28. Januar 2019, 18 Uhr. Ab 28. März 2019 im Kino.

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