Nr. 09/2019 vom 28.02.2019

Gegen Rechte reden

Von David Hunziker

In ihrem neuen Buch begibt sich Franziska Schutzbach auf glitschiges Terrain. Rechtspopulismus zeichne sich gerade dadurch aus, schreibt die Geschlechterforscherin und Soziologin, dass er sich klaren Definitionen entziehe und die Grenzen zwischen unterschiedlichen rechten politischen Lagern systematisch verwische. Die Unschärfe des Begriffs ist also keine Schwäche, sondern entspricht den politischen Strategien, die er bezeichnet.

Genau solchen Verschleierungen rechtspopulistischer Rhetorik will Schutzbach etwas Klarheit und Übersicht entgegensetzen. Denn, so ihre Überzeugung, der Erfolg des Rechtspopulismus hat auch damit zu tun, dass er nicht ausreichend verstanden wird.

Das Kernstück von «Die Rhetorik der Rechten» bildet eine idealtypische Aufstellung von zwanzig Diskursstrategien der Rechten, vom angeblichen Aufbegehren gegen «die Eliten» über die Rhetorik der Angst bis zum Antifeminismus. Schutzbach stützt sich dabei auf akademische Forschungen zum Thema und skizziert Beispiele aus verschiedenen Ländern. Die Aufstellung ist weder Abbild einer konsistenten politischen Strategie noch eine fertige Theorie. Sie will wiederkehrende Muster bewusst machen, um sie effektiver bekämpfen zu können.

Allerdings kann man sich fragen, an wen sich dieses Buch richtet. Für regelmässige ZeitungsleserInnen enthält es vor allem allgemein bekannte Beobachtungen. Darüber hinaus hätte man sich tiefer gehende theoretische Überlegungen gewünscht, etwa zur Verknüpfung von Rechtspopulismus und Antifeminismus, die auch soziologische und ökonomische Ursachen des Rechtspopulismus berücksichtigen. Oder eine intensivere Auseinandersetzung mit Beispielen; gerade Schutzbach, die die Konfrontation mit RechtspopulistInnen nicht scheut, hätte doch viel darüber zu erzählen, welche Strategien sich bewähren und welche nicht. Stattdessen denkt sie am Schluss ein paar vage Gegenstrategien an, die suggerieren, eine Allianz der liberalen demokratischen Kräfte könnte das Schreckgespenst wieder verjagen.

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