Nr. 18/2019 vom 02.05.2019

Die ganz grosse Show

Von Toni Keppeler

Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó hat schon ein paarmal seine AnhängerInnen zur letzten Schlacht um den Präsidentenpalast in Caracas aufgerufen. Zuerst am 23.  Februar: Damals sollte es an der Grenze zu Kolumbien zum Showdown kommen. Guaidó glaubte, wenn er Hilfslieferungen aus dem Nachbarland herüberbrächte, würde die Armee zu ihm überlaufen, Präsident Maduro würde den wichtigsten Pfeiler seiner Macht verlieren und müsste fliehen. Er hatte die Lage falsch eingeschätzt. Nur ein paar Dutzend Soldaten setzten sich ab. Seinen weiteren letzten Aufrufen folgten jedes Mal weniger AnhängerInnen. Um zu verhindern, dass sich die Protestbewegung langsam totlaufen würde, brauchte er die ganz grosse Show. Die fand nun am Dienstag statt.

Guaidó hatte ein paar Dutzend Soldaten überredet, mit ihm vor einem Luftwaffenstützpunkt in Caracas zu posieren. Anderen abtrünnigen Sicherheitskräften war es gelungen, Leopoldo López, den Chef von Guaidós rechter Partei Voluntad Popular, aus dem Hausarrest zu befreien. Die Armee habe die Seite gewechselt, behauptete Guaidó bei seinem wieder einmal letzten Aufruf ans Volk, auf die Strasse zu gehen. Aus Washington sekundierten US-Aussenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton mit Twitter-Meldungen: Die wichtigsten Mitarbeiter Maduros hätten sich von ihm abgewandt, ein Flugzeug stehe bereit, um den Präsidenten nach Kuba zu bringen. Alles Lügen.

Am Abend, nach einem Tag mit Strassenschlachten zwischen OppositionsanhängerInnen und Sicherheitskräften und einem massiven Aufzug von Maduro-UnterstützerInnen vor dem Präsidentenpalast, war klar, dass nicht einmal mehr die Anführer des Aufstands an einen Erfolg glaubten. López hatte Zuflucht in der Botschaft Spaniens gesucht.

Es könnte die letzte Schlacht des Juan Guaidó gewesen sein. Wenn er weiter gegen Maduro mobilisieren will, bleibt nur eine Eskalation. Das wäre dann ein Bürgerkrieg oder eine militärische Intervention der USA. Über beides aber wird nicht in Caracas, sondern in Washington entschieden.

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