Nr. 20/2019 vom 16.05.2019

«Rückschritte macht man schneller, als man sie erkennt»

Die türkische Autorin Elif Shafak sieht kein Land der Welt mehr immun gegen den Verlust von Freiheit und Demokratie. Zusammenhalt und Menschlichkeit seien die Werte, die in autoritär regierten Zeiten die Menschen am Leben halten. Davon handelt auch ihr neuer Roman.

Interview: Tugba Ayaz, London

Elif Shafak: «Religiöse Menschen etwa wollen keine Zweifel zulassen, Atheisten nicht die Idee des Übersinnlichen. Interessant ist doch die feine Linie zwischen Zweifel und Glaube.» Foto: Olivier Hess

So verbunden Elif Shafak mit ihrer Herzensstadt Istanbul ist, so verbunden ist sie auch mit ihrer Wahlheimat London, dem Balkan, der Ägäis oder dem Nahen Osten. Sosehr sie als gebürtige Europäerin demokratische Werte lebt, so sehr glaubt sie an die Erzählungen des Orients. Elif Shafak ist überzeugt, dass jeden Menschen Zugehörigkeiten zu mehreren Ländern oder Orten prägen. Sie versteht sich als «world citizen» – der Behauptung von Theresa May, dass dies BürgerInnen von nirgendwo seien, stimmt sie nicht zu.

Kurz nach ihrer Geburt in Strassburg trennten sich Elif Shafaks Eltern. Mit ihrer Mutter zog sie nach Ankara in das Haus der Grossmutter, in eine konservative, religiös geprägte Nachbarschaft. Eine Ausbildung hatte Shafaks Mutter nicht, nach der Heirat hatte sie das Studium abgebrochen. Shafaks Grossmutter – religiös und weniger gebildet als ihre Tochter – überzeugte ihre westlich orientierte und säkulare Tochter, ihren Abschluss nachzuholen, während sie für ihre Enkelin sorgte. Bei ihrer Grossmutter sass Elif Shafak oft am Fenster. Das Haus war von Mystik erfüllt, Bräuche wie Bleigiessen wurden ausgeübt. Draussen vor dem Fenster war die Welt eine andere, in den späten siebziger Jahren trugen Linke und Rechte Strassenkämpfe aus, Bomben explodierten. Diese zwei Welten prägten Elif Shafak, um beide dreht sich heute ihr Werk: der kulturelle Reichtum der Türkei und die Umbrüche des Landes. Die 47-Jährige zählt zu den bedeutendsten Autorinnen der Gegenwart. Ihre siebzehn Werke wurden in über fünfzig Sprachen übersetzt. Als führende Denkerin debattiert sie auf Symposien über drängende Fragen unserer Zeit.

Wir treffen uns im gemütlichen Buchsalon eines Londoner Hotels – seit drei Jahren war Shafak nicht mehr in der Türkei. Als ihre Grossmutter vor gut zwei Jahren starb, nahm sie nicht am Begräbnis teil. Sie wollte nicht riskieren, verhaftet zu werden wie viele Autoren, Medienschaffende oder Wissenschaftlerinnen. «Ich vermisse Istanbul sehr», sagt sie.


WOZ: Frau Shafak, was vermissen Sie denn besonders?
Elif Shafak: Frühstücken am Bosporus, Sesamkringel, Feta, Oliven, die Möwen über meinem Kopf. Mit den Fähren den Bosporus überqueren, zwischen zwei Kontinenten unterwegs sein. Melancholie und Leichtigkeit zugleich.

Fühlen Sie sich in London im Exil?
Ich fühle mich schon seit meiner Kindheit im – ich nenne es so – selbstauferlegten Exil. Weil ich mit meiner Mutter, die Diplomatin wurde, unter anderem in Spanien, Jordanien, den USA, in Ankara, Istanbul, Köln gelebt habe. Das Gefühl des selbstauferlegten Exils kam auch auf, als ich vor zehn Jahren aus freien Stücken nach London zog. Das türkische Wort für Exil, «sürgün», hörte ich erstmals in der Primarschule. Ich war Linkshänderin, wurde gezwungen, Rechtshänderin zu werden. Mich umzugewöhnen, fiel mir schwer. Die Lehrerin befahl: «Deine linke Hand geht ins Exil, du darfst nichts mehr mit ihr machen!» Ich musste sie unter dem Tisch behalten. Dort war für mich das Exil.

Sie widmen Ihren neuen Roman, «Unerhörte Stimmen», Istanbul, das, wie Sie schreiben, eine weibliche Stadt ist und immer war. Worin zeigt sich das?
Äusserlich mag Istanbul männlich wirken, weil in den Strassen und auf den öffentlichen Plätzen Männer dominieren. Istanbul ist aber im Geist eine starke Frau. Die Stadt hat in ihrer Geschichte einige Umbrüche erlebt und sich immer wieder erholt. Wir Frauen durchlaufen einschneidende Phasen – stärker als Männer: erste Regel, Partnerschaft, Mutterschaft, Menopause … Und nach jeder Phase müssen wir uns in irgendeiner Form regenerieren. In diesem Sinne ist Istanbul weiblich.

Ähnlich ticken auch Ihre Romanfiguren: Sie wissen sich in jeder Lebenslage zu helfen und regenerieren sich schnell.
Meine Romanfiguren haben trotz harter Schicksale eine Leichtigkeit – wie die Menschen in der Türkei. Mit der türkischen Zivilgesellschaft fühle ich mich sehr verbunden. Sie ist ihren Politikern voraus, leider aber fehlt ihr die Macht für Veränderungen. Ich liebe die Geschichte, die Kultur, das Essen, die Musik, die Bräuche des Landes. Diese Dinge will ich von der düsteren Politik, der ich kritisch gegenüberstehe, trennen. Die Missachtung der Grundrechte ist inakzeptabel. Die Bürgerinnen und Bürger sind aber mit den Politikern nicht gleichzusetzen, das vergisst man manchmal in Europa. Mein Roman «Unerhörte Stimmen» zeigt, dass Aussenseiter einer Gesellschaft, etwa Transgendermenschen, Mittellose, Prostituierte, Minderheiten, in Freundschaften Halt finden. Zusammenhalt ist das Einzige, was in autoritär regierten Staaten die Menschen am Leben hält. Mich interessieren Menschen, die zum Schweigen gebracht werden. Ich selbst fühlte mich in der türkischen Gesellschaft früh als Aussenseiterin.

Warum?
Weil ich etwa in unkonventionellen Verhältnissen aufwuchs, ein Nomadenleben führte, Ansichten vertrat, die nicht mit jenen der Mehrheitsgesellschaft konform waren.

Die Erinnerungen Ihrer Romanheldin Leila sind voller Sinneseindrücke. Welche Rolle spielen die Sinne in Ihren Erinnerungen?
Ich assoziiere viele meiner Erinnerungen mit Geschmäckern und Gerüchen, auch Wörter. Es mag verrückt klingen: Beim Schreiben schmecke ich manche Wörter.

Beispiele?
Beim Wort «purple» etwa schmecke ich Likör auf der Zunge mit einem süsslichen Beigeschmack.

Wie schmeckt das Wort «Liebe»?
Nach Zimt. Als ich «Die vierzig Geheimnisse der Liebe» schrieb, schmeckte ich permanent Zimtnoten.

Hat das Wort «Türkei» einen Geschmack?
Nein, aber «Mutterland» oder «Heimatland». Beide schmecken süss-sauer.

Der Roman erzählt uns viel von Aberglauben und den Bräuchen in der türkischen Kultur, etwa dass die Nabelschnur eines Neugeborenen an einem bestimmten Ort vergraben wird. Wie präsent waren solche Bräuche in Ihrer Kindheit?
Meine Grossmutter galt in der Nachbarschaft als Heilerin. Sie heilte Hauterkrankungen, Depressionen, Angstzustände. Viele Heilungsrituale vollzog sie zu Hause, ich bekam viel mit, etwa wie sie Warzen mit ihrem speziellen Stift umkreiste oder Rosendornen in einen roten Apfel steckte. Sie war nicht religiös im Sinne einer monotheistischen Religion, eher spirituell. Ihr Gott war einer der Liebe, nicht der Ängste und Sünden.

Wie ging Ihre Mutter damit um?
Sie störte das nicht, obwohl sie als Diplomatin in einer anderen Welt lebte, für Mystik hatte sie wenig übrig. Sie lehrte mich Dinge wie Gleichberechtigung, Selbstvertrauen, Fleiss, Mut. Beide Frauen haben mich geprägt, besonders die starke Schwesterlichkeit zwischen ihnen. Sie waren komplett verschieden, dennoch verhalf meine Grossmutter meiner Mutter dazu, eine starke Frau zu werden. Meine Mutter wiederum stärkte sie im Alter. Diese Schwesterlichkeit vermisse ich heute unter den Frauen.

Inwiefern?
In der Türkei etwa sind die Frauen nur schon wegen der Kleidung gespalten. Mit Kopftuch wird man als fromm schubladisiert, ist dem Vorurteil ausgesetzt, feministische Werte nicht vertreten zu können. Gerade wo Sexualdelikte, Sexismus und Gewalt an Frauen im Übermass herrschen, müssten sich die Frauen vereinen, unabhängig von ihrer religiösen oder politischen Überzeugung. Nicht nur in der Türkei, generell sollten sich Frauen aus verschiedenen Kulturen, mit unterschiedlichen Ideologien vernetzen, unterstützen. Leider geschieht das kaum.

Was ist mit der #MeToo-Debatte?
Sie ging in diese Richtung, ich würdige alle Frauen für ihren Mut. #MeToo zeigte, wie wirksam das Erzählen von Geschichten ist. Man teilt eine Geschichte und ermutigt eine andere Person, ihre auch zu teilen. Doch die Debatte ebbte rasch ab, schnell kamen Zweifel. Wenige Monate später las man Artikel im Sinne von «Vielleicht sind wir zu weit gegangen». Dabei haben wir doch erst angefangen! Wir müssen hartnäckiger werden, brauchen aber einen feministischen Diskurs, der die Männer an Bord holt. Wir müssen gemeinsam über Männlichkeit sprechen. Das Patriarchat setzt auch die Männer unter Druck. Mein Ideal des Feminismus ist einer, der Frauen verschiedener religiöser und politischer Überzeugungen, die LGBT-Bewegung und auch die Männer vereint.

Schliesst denn der Feminismus heute die Männer aus?
Ich beobachte solche Tendenzen. Auch Frauen untereinander distanzieren sich bei unterschiedlichen Ansichten. Es geht in Richtung Identitätspolitik, auch bei Linksgesinnten. Das zeigt sich darin, dass viele sich an einer Identität festhalten wollen – wir leben in einer Zeit, in der die Nuancen verschwinden. Dabei sind wir alle vielschichtig, haben mehrere Identitäten. Das lehrte mich die afroamerikanische Frauenbewegung. Die Schriftstellerin Audre Lorde etwa verstand sich als Schwarze, Feministin, Poetin, Lesbe und Mutter. Mir ist es wichtig, in feministischen und politischen Debatten Vielfalt hervorzuheben. Deshalb plädierte ich in meinem letzten Ted-Talk dafür.

In diesem Ted-Talk vor knapp zwei Jahren offenbarten Sie auch Ihre Bisexualität. Ihnen habe zuvor der Mut gefehlt, sagten Sie. Woher kam er?
Es war keine Eingebung, mich bestärkte vielmehr ein Gefühl: Jetzt bin ich bereit. Gerne hätte ich in meinen Dreissigern den Mut dazu gehabt. Aus der Türkei folgten missbilligende, vulgäre Kommentare in den sozialen Medien, von Kolumnisten oder TV-Moderatoren. Obwohl ich damit gerechnet hatte, war es aufreibend – eine schwierige Zeit. Dennoch fühlte ich mich danach freier.

Bei allem Kosmopolitismus, der Sie ausmacht: Ihr Werk kreist um die Türkei. Ist die Verbindung zum Mutterland letztlich am stärksten?
Sie ist stark, keine Frage, aber nicht am stärksten. Genauso stark fühle ich mich mit London oder etwa dem Balkan und anderen Orten verbunden. Ich liebe mein Mutterland, aber ohne Patriotismus.

«Patriotismus ist zu wichtig, um ihn den Nationalisten zu überlassen, Glaube zu wichtig, um ihn den Religiösen zu überlassen», sagten Sie in einem Gespräch mit Channel 4. Was meinen Sie damit?
Wir, die Patriotismus ablehnen, müssen schärfer darüber nachdenken. Etwas abzulehnen oder zu befürworten, soll nicht bedeuten, sich einer Sache sicher zu sein. Menschen, die sich mit gefestigten Meinungen Sicherheit verschaffen, befremden mich. Wir müssen unsere Positionen immer wieder hinterfragen. Auch bei der Frage nach dem Glauben. Religiöse Menschen etwa wollen keine Zweifel zulassen, Atheisten nicht die Idee des Übersinnlichen. Interessant ist doch die feine Linie zwischen Zweifel und Glaube. Diese Haltung verlangt die Wahrnehmung von Nuancen – die aus meiner Sicht auch den Liberalen fehlt.

Worin versagen die Liberalen heute?
Sie haben nicht verstanden, wie bedeutend Emotionen sind. Es fehlt ihnen an emotionaler Intelligenz. Mich macht es wütend, dass die Populisten die Menschen über ihre Emotionen erreichen und sie so ausbeuten. Die Liberalen haben die Ängste der Menschen nicht erkannt. Menschen, die Geldsorgen haben, um ihre Zukunft oder die ihrer Kinder fürchten, fühlten sich lange von den Liberalen vernachlässigt. Die Liberalen waren in ihrer elitären Blase gefangen. Den Populisten ist es gelungen, Nähe zu den Menschen herzustellen. So können sie auch behaupten, das Volk zu repräsentieren. In Wahrheit sind sie die neue Elite. Marine Le Pen, Nigel Farage oder Geert Wilders sind so elitär wie jene, die sie kritisieren. Eliten gleich welcher Gesinnung halte ich schwer aus.

Ähnlich hat auch das Versagen der Liberalen in der Türkei zum Erfolg der regierenden AKP und von Recep Tayyip Erdogan geführt. Bei unserem letzten Gespräch vor knapp drei Jahren, einige Monate nach dem Putschversuch, sagten Sie zum geistigen Zustand der Türkei, Sie sähen eine Nation, getrieben von Zorn, Angst und Paranoia. Was sehen Sie heute?
Ich wünschte, ich könnte etwas Erheiterndes sagen. Doch der Zustand ist geblieben, hat sich verschärft. Die Türkei hat seither viele Rückschritte gemacht, ist noch autoritärer geworden. Den Putschversuch verurteile ich scharf. Ich bin gegen jegliche Militärregierung. Doch kritisiere ich die Säuberungsaktion, die bis heute andauert.

Menschen, die nichts mit dem Putschversuch zu tun haben, werden verfolgt und eingesperrt. Der Unternehmer und Mäzen Osman Kavala etwa ist einer der edelmütigsten Menschen, die ich aus der türkischen Kulturszene kenne. Er setzte sich immer für Demokratie und Pluralismus in der Türkei ein. Er ist seit eineinhalb Jahren wegen absurder Anklagen inhaftiert.

Progressive Stimmen in der Türkei sagen, das Land habe in den letzten Jahren Fundamentales verloren. Freiheit und Gleichheit existierten allerdings auch zuvor nicht. Was hat das Land also noch verloren?
Eine stabile Demokratie war die Türkei nie. Verloren haben wir Subtiles, aber Bedeutendes, etwa Hoffnung, Zusammenhalt. Vor wenigen Jahren existierte noch die Hoffnung, vielleicht Teil der europäischen Familie zu werden und so zu einer Demokratie zu reifen. Die Türkei meiner Jugend war politisch auch unruhig. Doch da war eine Unschuld, eine Sorglosigkeit, die über dem politischen Elend stand. Man zählte aufeinander: in der Familie, in der Nachbarschaft, im Quartier. Man zelebrierte das Schöne, die Bräuche. Heute ist die türkische Gesellschaft polarisiert, voller Zorn. Das erschüttert mich.

In Europa hört man oft, was in der Türkei passiere, könne hier niemals passieren.
Demokratien waren einst unterteilt in mustergültig und instabil. Seit 2016 lösen sich die Kategorien auf. Kein Land ist mehr immun gegen den Verlust demokratischer Werte. Die Demokratie ist fragil geworden. In Schweden etwa glaubten demokratische Kräfte, sie seien resistent gegen den Populismus, die Tendenz ist jetzt steigend. Von Deutschland glaubte man, es sei wegen seiner Vergangenheit immun gegen Rechtspopulisten. Nun sitzt eine rechtspopulistische Partei im Bundestag. In Ungarn oder Polen steht es um die Gewaltentrennung oder die Pressefreiheit ähnlich wie in der Türkei. Die Türkei mag mit Problemen ringen, die regionalen und historischen Ursprungs sind, doch sie zeigt: Rückschritte macht man schneller, als man sie erkennt.

«Unerhörte Stimmen»

Rückblick auf eine fliessende Stadt

Leila liegt in einer Mülltonne in Istanbul. In den 10 Minuten und 38 Sekunden, bevor ihr Hirn stirbt, lässt sie ihr Leben Revue passieren: Geburt, Kindheit in Ostanatolien, Familienverstrickungen, Flucht nach Istanbul als Teenager, ihre Tage als Prostituierte, wie sie Freundschaften knüpft, die Liebe findet. Leila erfährt mit ihren Erinnerungen dazugehörige Gerüche, Geschmäcker, Klänge, die Elif Shafak so lebendig beschreibt, dass wir mit der Heldin riechen, hören oder schmecken, mitfühlen.

Leilas hartes Leben führt uns an lieblose Orte: etwa in die ländliche Türkei, wo patriarchale Strukturen und Vielehe das Leben der Frauen bestimmen, oder in ein Bordell in Istanbul. Doch zeigen uns ihre Begegnungen, dass überall Wärme besteht, solange Menschen zusammenhalten. Selbst auf dem Friedhof der Geächteten, wo Leila ihre letzte Ruhe finden soll, neben Prostituierten, Transmenschen, Aidspatienten, Freiheitskämpferinnen oder Terroristen. Ein unheimlicher Ort, der tatsächlich existiert. Ein Friedhof ohne Grabsteine, dafür mit nummerierten Holztafeln. Doch Leilas FreundInnen, wie sie selber AussenseiterInnen der Gesellschaft, wollen ihre letzte Reise zu etwas Besonderem machen.

Wie in ihren bisherigen Romanen erzählt Shafak auch in «Unerhörte Stimmen» die Geschichte der Türkei – ohne zu politisieren oder zu dramatisieren. Sie bringt uns die Menschen eines verwundeten Landes näher, die mit kulturellen Zwängen ringen, politische Traumata erfahren und die Schätze ihrer Heimat hüten. Dabei bilden Shafaks Romanfiguren – wie auch in anderen ihrer Werke – die verschiedenen Lebenswelten in der Türkei ab und illustrieren die gesellschaftliche Heterogenität. Die ProtagonistInnen führen lebhaft durch Istanbul, eine «fliessende» Stadt: «Nichts hatte hier Bestand, nichts war hier ein für alle Mal entschieden.» Ähnlich wie im Mutterland der Figuren: «Es strömte, es wirbelte, es suchte. Alles war noch immer im Fluss.»

Tugba Ayaz

Elif Shafak: «Unerhörte Stimmen». Roman. Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Kein und Aber. Zürich 2019. 432 Seiten. 32 Franken.

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