Nr. 23/2019 vom 06.06.2019

Kampfansage mit Selbstkritik

Von Valerio Meuli

«Die Streiks sind quasi unser einziges Mittel, womit wir Aufmerksamkeit erregen können: indem wir die Schule schwänzen», sagt die Sekundarschülerin Paula im Magazin «netto.null». Ende Mai ist dessen erste Ausgabe erschienen, herausgegeben von jungen Arbeitenden, SchülerInnen und StudentInnen.

Dass der Kampf gegen den Klimawandel viele Facetten hat, zeigt «netto.null». Die Schreibenden decken verschiedene Themen ab: wirtschaftliche Ausbeutung, soziale Ungleichheit und Sexismus. Dem Frauenstreik ist ein eigener Text gewidmet. Die Philosophiestudentin Cybel Dickson argumentiert, dass der Kampf gegen den Klimawandel zugleich auch ein Kampf gegen Sexismus sei, weil die Klimakrise bestehende wirtschaftliche Ungleichheiten verstärke. Deswegen solle sich die Klimabewegung mit dem Frauenstreik solidarisieren. An dieser Stelle folgt ein wichtiger Aspekt in «netto.null», dem auch im Artikel «Eine Jugendbewegung» nachgegangen wird: die Selbstkritik.

So reflektieren Mitglieder, ob die Klimastreikbewegung eine elitäre ist. Sie kommen zum Ergebnis, dass die Streikenden zu einem grossen Teil «hellhäutige, westeuropäische GymnasiastInnen und Studierende» seien. Es zeige sich auch, dass Männer an Sitzungen im Schnitt länger sprechen würden als Frauen – auch die beiden Herausgeber von «netto.null» sind Männer. Laut Artikel nimmt sich die Bewegung allerdings vor, gegen solche Ungleichheiten vorzugehen.

Das erste «netto.null» hat eine Auflage von 10 000 Stück und wird durch LeserInnen finanziert. Man erhält das Magazin für fünf Franken an Aktionen der Bewegung. Die erste Ausgabe überzeugt vor allem dadurch, dass die Texte von jungen Menschen geschrieben wurden, die selbst in der Bewegung aktiv sind – mit Ausnahme des Beitrags von WOZ-Redaktor Daniel Stern.

Neben der Selbstkritik drückt «netto.null» auch viel Selbstvertrauen aus. Die Klimastreikbewegung sei längst keine Eintagsfliege mehr. Das Magazin soll zum Sprachrohr der Bewegung werden. Und diese hat «kein geringeres Ziel als das Schaffen einer neuen Gesellschaft».

«netto.null», Magazin der Klimabewegung. 1. Ausgabe. Mai 2019. nettonull.org

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch