Nr. 32/2019 vom 08.08.2019

Feuer gegen Staudamm

Von Bettina Dyttrich

«Aber es geht um erneuerbare Energie! Da könnt ihr doch nicht dagegen sein!» Diesen Vorwurf bekommen viele zu hören, die einen weiteren Ausbau der Wasserkraft nicht kritiklos befürworten.

Ist es so einfach? In der Trift, einem Seitental des Gadmertals im Berner Oberland, ist ein eindrücklicher See entstanden, weil der Gletscher schmilzt. Die Kraftwerke Oberhasli wollen diesen See 160 Meter höher stauen, um Strom zu gewinnen. Nur wenige Organisationen, der Grimselverein, Aqua Viva und die Alpenschutzkommission Cipra, wehren sich dagegen. Denn anders als die Landschaft am Grimselpass liegt die Trift nicht in einem Schutzgebiet.

Der Talkessel mit seinen Wasserläufen und dem Gletschervorfeld sei trotzdem eine «einmalige Primärlandschaft», sagt der Energieingenieur Heini Glauser. «Es stimmt: Wir brauchen viel Strom, um von der fossilen und der nuklearen Energie wegzukommen.» Aber es sei eine Illusion zu meinen, das sei primär mit Wasserkraft zu schaffen. «So viele Alpentäler gibt es schlicht nicht.» Glauser plädiert für einen Ausbau der Solarenergieproduktion im Baugebiet – an Gebäuden oder entlang von Autobahnen – und für die Umwandlung von Sommerstromüberschüssen in Gas oder Treibstoff. Vertikale Solarzellen in den Bergen, etwa an Lawinenverbauungen, könnten ausserdem relevante Mengen Winterstrom liefern.

Das sind die technischen Fragen. Doch es geht um mehr: Wichtig wäre eine Politik, die das Ziel setzt, den ständig steigenden Energieverbrauch einzudämmen und schnell von den fossilen Energieträgern wegzukommen. Solange das nicht geschieht, trägt ein Ausbau der Erneuerbaren nicht zum Klimaschutz bei, und die Zerstörung der Triftlandschaft lässt sich nicht rechtfertigen. «Wir haben keinen Energie-, sondern einen Landschaftsnotstand», schreibt das neu gegründete Triftkomitee, das unter anderem von Schriftsteller Franz Hohler und SP-Nationalrätin Silva Semadeni unterstützt wird und weitere Mitglieder sucht. Das traditionelle «Feuer in den Alpen» für den Alpenschutz brennt am 10. August auch in der Trift.

www.rettet-die-trift.ch Weitere Feuer: www.feuerindenalpen.com.

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