Nr. 32/2019 vom 08.08.2019

Erhöhte Nachfrage nach Vernichtung

Ruedi Widmers «Widmerwoche» über Mischwesen, Mähdrescher und das Matterhorn

Von Ruedi Widmer

Schön für die Modehäuser: Seit das Tragen von Mittelstrecken-Atomwaffen endlich wieder zulässig ist, werden mehr lange Mäntel mit grossen Taschen verkauft.

Wenn in den USA (Ohio, Texas) wieder ein Massaker ist, geht der dafür Verantwortliche in Washington nicht so gerne auf Twitter. Bei Kriminalität in Europa ist er bereits nach durchschnittlich 2,3 Sekunden mit einem Beitrag in der Twitter-Sphäre präsent. Vielleicht wirkt Seehofers «intelligente Grenze» bereits zwischen dem US-Präsidenten und seinem Smartphone.

Das johnsoninische Zeitalter im Vereinigten Königreich dauert nur diesen Sommer. Der Spasskönig mit seinem blonden Kornfeld auf dem Kopf muss nach den Sommerferien unter den Mähdrescher.

Die Kinderspitäler der Schweiz haben ein Defizit von sechzig Millionen Franken, wegen der Revision des Ärztetarifs. Deswegen seien gewisse Behandlungen so teuer, dass sie nicht mehr vorgenommen werden könnten. Todkranke Kinder müssen jetzt eben warten, bis sie älter geworden sind und in ein normales Spital für Erwachsene gehen können.

Die Chimäre: Das Mischwesen wird in Japan erlaubt, um menschliche Organe herzustellen. Auch hierzulande sollten wir zurück zum Bewährten. Nicht nur menschliche und tierische Gene dürfen miteinander vermischt werden wie früher auf den Bauernhöfen und manchmal in der Politik (Esel), sondern endlich auch wieder Grünabfall, Plastik, Hühnerknochen, Glas und Papier. Das Zeug wird ja ohnehin gemischt, kaum ist es aus den Augen des Recyclinggläubigen. Es ist für die Gewässer Ostasiens übrigens besser, wenn der Abfall nicht zu einseitig verteilt wird. So viel Altglas auf einem Haufen kann ein einzelner Fisch nämlich gar nicht brauchen.

Die Sperrung des Matterhorns ärgert manche AlpinistInnen. Herabstürzende Felsbrocken sabotieren die Sicherheit auf dem aus Fels erbauten Logo von Toblerone. Der Staat und auch die Fa. Toblerone sind von sich aus nicht bestrebt, etwas dagegen zu unternehmen. Also muss jedeR BerggängerIn seinen oder ihren Permafrost nun selber mitbringen.

Wegen des garantiert von irgendwelchen «Aktivisten», «Eritreern» und «NGOs» erzwungenen feigen Rückzugs von Aussenminister Ignazio Cassis in Sachen Dubai-Schweizer-Pavillon-Finanzierung kann Tabakriese Philip Morris die Zigarettenmarken EDA («Der Duft der weiten Welt») und Cassis (mit Johannisbeergeschmack) nicht auf den Markt bringen.

Jede Trendbewegung hat heute ihre Frau, sonst wird sie medial links liegen gelassen: Die Seenotrettungsbewegung hat Carola Rackete, die Klimahysterie die Garbo, der Fussball Megan Rapinoe, die liberale Operation die «halt hübsche» (Christoph Blocher) Flavia Kleiner, die SteuersenkerInnen Martullo-Blocher, die 5G-GegnerInnen Christina von Dreien, die EU-BefürworterInnen Ursula von der Leyen, Tom Kaulitz Heidi Klum, die MilitärfanatikerInnen Viola Amherd. Andere Bewegungen haben ihre Frau bereits gehabt: Die Tories hatten Theresa May, die Grünen Tamy Glauser, die Schweizer Hip-Hop-Szene Loredana, die SPD Andrea Nahles, das Zürcher Migrationsamt Xhevahire Bytyqi und Seal Heidi Klum.

Donald Trumps Handelskrieg gegen China (Seidenstrasse, Hühnersuppe u. a.) führt zu höheren Preisen für US-KonsumentInnen (Smith & Wesson, Oxycontin et cetera). Viele davon wählen Trump. Doch schuld sind am Schluss sicher wieder die JournalistInnen, die EritreerInnen der USA.

Japan und Südkorea haben (endlich!) auch einen Handelsstreit begonnen. Eigentlich gibt es überall Streit; in Österreich, Grossbritannien, Deutschland, in den Ehen, in den Familien, auf Facebook, auf den Kinderspielplätzen, auf der Strasse. Der Auslöser der Legalisierung von Atomwaffen ist eigentlich nur der Markt, der spielt! Es besteht eine erhöhte Nachfrage nach Vernichtung. Es lebe die freie Welt!

Ruedi Widmers Kopf liegt hauptsächlich in Winterthur. Einen Mähdrescher braucht er schon lange nicht mehr.

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