Nr. 37/2019 vom 12.09.2019

Fünfzehn Wochen reichen nicht

Von Noëmi Landolt

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, ja oder nein? Darüber hat der Nationalrat am Mittwoch debattiert (Abstimmung nach Redaktionsschluss). Dabei dürfte sogar einigen Bürgerlichen klar sein, dass man damit etwa so auf der Höhe der Zeit ist, wie wenn man sich heute noch ein Myspace-Konto zulegt. So sind derzeit gleich zwei Initiativen angekündigt, die eine Elternzeit fordern. Der Verein PublicBeta und die Plattform WeCollect möchten im Frühling eine Initiative für je 15 Wochen Elternzeit für Mutter und Vater lancieren. Die SP hat derweil eine Initiative für einen Mutter- und Vaterschaftsurlaub von je mindestens 14 Wochen im Köcher, wobei beide Elternteile anschliessend Anspruch auf mindestens 10 Wochen Elternzeit haben sollen.

Auf Facebook ist vor allem anhand der WeCollect-Initiative eine Diskussion entbrannt, die wichtige Fragen aufwirft: Wie sinnvoll sind paritätische Lösungen? Und ist es wirklich dasselbe, Mutter oder Vater zu werden? Die InitiantInnen streben unter anderem an, dass die Betreuungsarbeit gerechter aufgeteilt und die geschlechtsbasierte Ungleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt verringert wird. So weit, so gut. Doch dafür gewinnen die Väter im Vergleich zu heute 15 Wochen dazu. Und die Frauen – eine?! Handelt es sich dann also nicht viel eher um eine Initiative für einen 15-wöchigen Vaterschaftsurlaub?

Mutterschaftsurlaub und Elternzeit sind nicht dasselbe. Der Mutterschutz ist nicht zuletzt auch eine gesundheitliche Massnahme. Die heute garantierten 14 Wochen sind oft zu wenig, um sich von der körperlichen und emotionalen Belastung durch Schwangerschaft, Gebären und Stillen zu erholen. Da ist eine Woche mehr etwa so grosszügig wie fünf Rappen Trinkgeld nach dem Abendessen im Restaurant.

Was es wirklich braucht, ist einen vernünftig ausgebauten Mutterschutz und eine Elternzeit mit einem fix für den Vater reservierten Anteil. Der Rest kann flexibel von beiden bezogen werden, den Bedürfnissen der Familie entsprechend. Ende November beraten die SP-Delegierten über die Ausgestaltung ihrer Initiative. Sie sollten die Chance wahrnehmen.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch