Nr. 43/2019 vom 24.10.2019

Es liegt noch mehr drin

Von Kaspar Surber

Der Wahlkampf ist vorbei, der Wahlkampf geht weiter: Am 17. November kommt es in vielen Kantonen zu zweiten Wahlgängen für den Ständerat. Zwölf Sitze hielt die SP bisher, einen hatten die Grünen inne. Dank der historisch starken SozialdemokratInnen wurde der Ständerat zur produktiveren der beiden Parlamentskammern. Bisher sind erst fünf Sitze verteidigt oder neu gewonnen: drei bei der SP, zwei bei den Grünen, mit dem Glarner Mathias Zopfi als Überraschung.

In einigen Kantonen stehen die Zeichen auf Angriff, in anderen auf Verteidigung. Für Aufsehen sorgen wird die Wahl im Kanton Bern. Hier treten Hans Stöckli von der SP und Regula Rytz, die grüne Parteipräsidentin, zusammen an. Ihnen gegenüber stehen der SVP-Schützenfreund Werner Salzmann und die FDP-Europapolitikerin Christa Markwalder.

In Zürich greift die erfolgreiche Grüne Marionna Schlatter den FDP-Bisherigen Ruedi Noser an. Die Grünliberale Tiana Angelina Moser hat sich zurückgezogen, obwohl sie sich weiterhin für die bessere Kandidatin hält. SVP-Chefredaktor Roger Köppel beschäftigt sich derweil auf Twitter mit der Bundesratszusammensetzung: «Stabilität ist eine Schweizer Zier.» Ob er das auch auf sich selbst bezieht und Noser unterstützt, war bis Redaktionsschluss unklar. Im Wallis will der drittplatzierte SP-Kandidat, Mathias Reynard, eineN der beiden CVP-KandidatInnen überholen. Prominente Unterstützung erhält er dabei von FDP-Altbundesrat Pascal Couchepin.

Zwei SP-Männer ziehen sich für grüne Frauen zurück. Im Aargau tritt Cédric Wermuth nicht mehr an, dies für Ruth Müri. «Rot und Grün lassen sich bei den zentralen Fragen nicht auseinanderdividieren. Gemeinsam sind wir stark», teilte Wermuth in einem seiner letzten Kampagnenmails mit. Die Konkurrenz kommt von SVP und FDP. In Baselland wiederum verzichtete Eric Nussbaumer für Maja Graf, sie hat die FDP als Mitbewerberin.

In der Westschweiz könnte Rot-Grün je zwei Sitze holen: mit Ada Marra und Adèle Thorens in der Waadt, mit Lisa Mazzone und Carlo Sommaruga in Genf. Gute Chancen, seinen Sitz zu verteidigen, hat SP-Präsident Christian Levrat, der in Freiburg im ersten Wahlgang das beste Resultat erreichte. Das Gleiche gilt in St. Gallen für Paul Rechsteiner, der ein noch besseres Ergebnis erzielte als 2015. In Solothurn dürfte es Roberto Zanetti von der SP wieder schaffen. Im Tessin sind die Chancen von SP-Frau Marina Carobbio intakt, während es für die Grünalternative Tabea Zimmermann in Zug eher sportlich wird.

Realistisch geschätzt liegen links insgesamt vierzehn Mandate drin, davon fünf für die Grünen und neun für die SP. Offensiv-spekulativ reicht es für bis zu achtzehn Sitze. 

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