Nr. 44/2019 vom 31.10.2019

Leichtes elektrisches Kribbeln

Von Stephan Pörtner

Während in der Stadt das Festivalfieber grassierte und auch noch der letzte Hinterhof zur durchgebrandeten Eventlocation umfunktioniert und mit dem Festivallogo gekennzeichnet wurde, traf sich in einem tief gelegenen Kellertheater eine verschworene Gemeinschaft zur Uraufführung eines gänzlich vergessenen Dreipersonenstücks einer schon zu Lebzeiten sträflich ignorierten Autorin, das allenthalben ein leichtes elektrisches Kribbeln verursachte und ein Funkeln in das Gewölbe zauberte, das die oberirdischen Blitzlichtgewitter und das Glamourglimmern geradezu fade erscheinen liess. Noch Stunden nach der Theateraufführung zwirbelten jene, die dabei gewesen waren, mit geradezu aufgekratzter Heiterkeit durch die Vorhölle des Pendlerbahnhofs, und niemand, aber auch gar niemand konnte sagen, warum.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im September ist sein neuer Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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