Nr. 02/2020 vom 09.01.2020

Benzidin im Grundwasser

Von Benjamin von Wyl

Rund 2000 chemische Stoffe könnten im Boden des Klybeck-Industriequartiers im Norden Basels liegen. Das zeigte ein achtzigseitiges Gutachten der ÄrztInnen für Umweltschutz (AefU) im vergangenen Sommer (siehe WOZ Nr. 27/2019). Ihre Auswertung öffentlicher und interner Quellen ergab, dass womöglich Stoffe wie Senfgas oder das krebserregende Benzidin den Untergrund des Quartiers und der frei werdenden Areale belasten.

Damals wollte sich Matthias Nabholz, Leiter des Basler Amtes für Umwelt und Energie (AUE), nicht zur Qualität des Gutachtens äussern. Kurz vor Weihnachten hat das Amt aber aufgrund des Gutachtens zusätzlich Benzidin in seine Grundwasseruntersuchung aufgenommen – und den krebserregenden Stoff am Unteren Rheinweg in einer Konzentration von 0,5 Nanogramm pro Liter nachgewiesen. Das sind 0,1 Nanogramm unter dem Überwachungsgrenzwert.

«Die Behörden haben nur nach einer Substanz mehr gesucht und damit fast alle anderen 2000 Chemikalien in unserem Gutachten ignoriert», kritisiert Martin Forter, Geschäftsführer der AefU. Auch seien die Messstandorte teils falsch gewählt. Die Chemiefirma Ciba-Geigy hat Benzidin an ihrem Standort im Klybeckareal bis in die fünfziger Jahre eingesetzt – vor allem, um blaue Farbe herzustellen. Gemäss den im AefU-Gutachten ausgewiesenen Grundwasserströmen hat das Umweltamt nicht in jener Verdachtszone gesucht, die die Ciba-Geigy-Nachfolgefirmen Novartis und Ciba SC vor zwanzig Jahren in einer «Historischen Voruntersuchung» selbst festlegten.

Nabholz weist die Kritik an den Messstellen zurück, denn das Grundwasser wechsle «im Jahresverlauf» die Richtung oder sei stehend. Zudem habe das AUE in den letzten zwei Jahren das Grundwasser im Klybeck «gezielt auf knapp 100 Substanzen untersucht» und ein Screeningverfahren angewendet, um unbekannte Substanzen in «grösseren Konzentrationen» zu finden. «Es gibt keinen Hinweis, dass Benzidin im heutigen Zustand des Areals ein Problem darstellt.» Deswegen werde es keine zusätzlichen Bohrungen geben. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

«Einmal gesucht, prompt gefunden! Die Suche nach Benzidin muss systematisch ausgeweitet werden», fordert hingegen Forter von den AefU.

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