Nr. 27/2020 vom 02.07.2020

Die Namen von gestern

Von Stephan Pörtner

Die sogenannt heutige Zeit erwies sich dann doch öfter als äusserst gestrig. Die Weigerung, verächtliche oder einfach aus der Zeit gefallene Namen zu ändern, kam besonders oft von Leuten, die keinerlei Probleme damit hatten, eine Frau nach der Eheschliessung beim Namen des Mannes zu nennen, obwohl sie ihr Leben lang anders geheissen hatte. Die Umbenennung von Natel zu Handy sowie, vollständig unmotiviert, unnötig und hässlich, von Pommfrit zu Pommes hatten sie klaglos, ja begeistert mitgemacht, kein Dashiessschonimmerso oder Wirlassenunsunseresprachenichtverbieten liess sie zögern, kein Pseudoindividualismus oder vermeintlich freier Geist hinderte sie daran. Nur wenn es jemandem wehtat, dann blieben sie stur.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im September ist sein neuer Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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