Nr. 51/2020 vom 17.12.2020

Einfach mal loslassen

Von Stephan Pörtner

Dass die Krise auch eine Chance sei, wie Kopfhochratgeber seit Jahrzehnten behaupten, erwies sich wieder einmal als wahr, und trotzdem wurde Letztere vergeben. Es war nämlich in diesem Jahr nur bedingt möglich, sich zu den sogenannten Feiertagen zusammenzurotten, auf die Nerven zu gehen und mit unnützem Zeug zu beschenken. Ein Ritual, das beträchtlichen Schaden an Mensch und Umwelt verursachte. Diese von jedem religiösen oder spirituellen Hintergrund entkoppelte Tradition endlich aufzugeben, zu merken, dass es auch ohne ging, wäre ein gesellschaftlicher Fortschritt gewesen, der aber nicht erreicht wurde, auch wenn die Stadt für einmal nicht mit Glühwein- und Kunsthandwerksbuden verstellt war.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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