Nr. 41/2021 vom 14.10.2021

Sehen, was es zu sehen gibt

Von Stephan Pörtner

Der Drang, die Nichtarbeitszeit mit Erlebnissen, Unterhaltung oder Aktivität aufzufüllen, wird selten hinterfragt. Wer will nicht das Maximum aus seiner Lebenszeit herausholen, Bucket-Listen abhaken, gesehen haben, was es zu sehen gibt, erlebt haben, was es zu erleben gibt, dabei gewesen sein, mitgemacht haben und etwas zu erzählen haben? Schlecht beleumundet ist es, unmotiviert Zeit zu verplempern, herumzuhocken und in die Luft zu schauen, ausser es sei eine Übung zum Ankommen im Hier und Jetzt und diene dem spirituellen Wachstum oder dem Erlangen tieferer Erkenntnis. Darum bleiben sie stillvergnügt im Verborgenen, die Tagedieb:innen, die in ihrer Freizeit dem ziellosen Dahinschrammen frönen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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