Nr. 28/2020 vom 09.07.2020

Ein Koch verdirbt die Maskerade

Ruedi Widmer über politische Fehler, First Ladies und Rassismus

Von Ruedi Widmer

Man hätte seinerzeit Christoph Blocher nicht abwählen dürfen, sondern ihn bis an sein Lebensende in angemessener Form im Bundesrat weiterbeschäftigen müssen. Als grosse Ehre hätte es ihm zugestanden, die Schweiz als achter Bundesrat repräsentieren zu dürfen, beispielsweise auf den Gewerbemessen oder bei Frühlingsausstellungen von Autogaragen. Das wäre nicht so teuer gekommen wie der Scherbenhaufen, vor dem das schon durch Corona arg gebeutelte Schweizerland nun sitzt. Die 2,7 Millionen Rentenforderungen des berühmten Politikers sollen bitte schön aus den prall gefüllten Portokassen jener linken Parlamentarierinnen und -ariern bezahlt werden, die 2007 hämisch grinsend und jubelnd den nicht nur für seinen Swimmingpool bekannten Bauernpolitiker aus dem Gremium gehievt haben.

Im Zusammenhang mit Christoph Blocher liest man oft die Begriffe «Volkstribun», «Doyen», «Übervater». Nicht mal über Trump liest man «Volkstribun», auch Putin wird nicht mit diesem Begriff bedacht. Ein bisschen stolz bin ich nun doch, selbst als Linker, dass wir in der Schweiz einen solch hoch dotierten Bundesrat haben durften. Deshalb verwende ich für Blocher prinzipiell das ehrfürchtige, aber auch liebevolle Wort «Landesvater».

Kim Kardashian will First Lady der USA werden. Sie ist die einzige würdige Nachfolgerin von First Lady Melania Trump. Ihr Mann, Rapmusikant Kanye West, wird die repräsentativen und karitativen Aufgaben des heutigen First Gentleman Donald Trump hoffentlich gut weiterführen können. Ob er dazu allerdings die Grösse, die Länge und das Herz von Donald Trump hat, wird sich zeigen müssen.

Die Bahnpolizei hat einen älteren Fahrgast aus dem Zug geschickt, der keine Maske trug. Solche Coronaleugner und Coronaverharmloser sind ein Problem. Sie werden am Internet aufgeheizt und schlagen dann zu. Beim Fahrgast handelt es sich um den Buchautor und Maskenskeptiker Daniel Koch.

Wirecard-Betrüger Jan Marsalek will Bundeskanzler Österreichs werden. Die Chancen für den sich auf der Flucht befindenden Manager stehen gut. Er wäre nicht nur der ideale superreiche Schwiegersohn, sondern schafft es auch, 1,7 Milliarden Euro abzuzweigen, ohne dass es der Deep State oder ein Filmteam von Jan Böhmermann merkt. Ob er das für sich selber oder für das Vaterland tut, ist letztlich egal. Die Alpenrepublik stünde mit so vielen Zusatzmilliarden endlich vor der von Heinz-Christian Strache versprochenen neuen Blüte (… siehe Wikingjugend, äh, Wikipedia).

In Anbetracht des Coronaausbruchs in der Tönnies-Schlachtfabrik möchte ich mein Leben und mein Verhalten ändern. Ich werde endlich mehr Fleisch essen und schlachtsamer mit meinen Mitmenschen umgehen.

Der deutsche Innenminister, Seehofer, stoppte eine ursprünglich von ihm angeordnete Studie, die Rassismus in der deutschen Polizei aufdecken sollte. Wahrscheinlich hat der Herr Wachtmeister ihm mit dem Schlagstock eins über die Rübe gegeben. Da würde ich auch alles sofort stoppen, sonst kommt man noch in die Ausnüchterungszelle oder schlimmer.

Der neue SVP-Shootingstar Paul Maudet (Genf) wurde aus der FDP geworfen.

Ist das Orangefacing von Trump rassistisch, oder ist es rassistisch, sich über seine Hautfarbe lustig zu machen?

Eine Studie hat ergeben, dass manche Delfine und Raben bei Vergleichstests die Intelligenz eines Drittels der Facebook-UserInnen regelmässig übertreffen.

Die NZZ veröffentlichte einen Kommentar, es sei nicht nötig, dem linken Lager einen dritten Bundesratssitz zuzugestehen, weil SP und Grüne praktisch dieselbe Partei seien. Bei den drei SVP-Bundesräten Parmelin, Maurer und Cassis kann wiederum ich keinen Unterschied erkennen, obwohl sie in total unterschiedlichen Parteien sind.

Ruedi Widmer ist mit Masken von Longde Pharmaceutical ausgerüstet.

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