Nr. 32/2020 vom 06.08.2020

Existentielles Bröseln

Von Stephan Pörtner

Im selbstgewählten Frührentnertum empfand Kreutzkammer eine unerwartete Leere, die jedoch nicht von der Absenz der gerne niedergelegten Arbeit stammte, sondern in seinem Inneren sich ausbreitete, das unerwarteterweise mit sich rang. Es prallten immer neu entfachte Motivationen zu sportlicher und kultureller Tätigkeit oder Bildung auf eine dumpfe, zähe Überzeugung, dass all dies ein geradezu lächerlicher Versuch war, seine ressourcenintensive Existenz zu rechtfertigen. Viel besser wäre es, so dachte er in dieser Stimmung, unauffällig und unaufdringlich vor sich hin zu dämmern und zu bröseln. Dadurch könnte sein Impact auf Umwelt und Umgebung auf ein Minimum reduziert und eine vertretbare Existenz geführt werden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Letzten Herbst ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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