Dokumentarfilm : Ramadan im Mittelalterverein

Nr. 33 -

Aïcha sehen wir zum ersten Mal in einem Video auf ihrem Youtube-Kanal «HijabiNerd». Die Informatikstudentin erzählt, dass sie seit einer Woche den Hidschab trägt, man solle doch ein Like dalassen. Aïcha ist zum Islam konvertiert, wie es in der Schweiz pro Jahr ungefähr hundert Menschen tun.

Eine «Arena»-Sendung mit Nicolas Blancho, Präsident des Islamischen Zentralrats, und SVP-Rechtsaussen Oskar Freysinger bewegt den Filmemacher David Vogel dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wieso wenden sich Leute überhaupt einer Religion zu, so spät im Leben? Vogel selbst war in jungen Jahren praktizierender Jude, heute bezeichnet er sich als Atheist. Umgekehrt hat sich dieser Vorgang bei Aïcha vollzogen – mit zwanzig hat sie zum Islam gefunden, zwei Jahre später trägt sie ein Kopftuch und den neuen Namen Aïcha, ihren alten hat sie zu Hause im Rheintal gelassen.

Franco und Miriam Lo Manto wiederum sind gemeinsam konvertiert. Es sind schöne Momente im Film, wenn man die beiden an ihrem Küchentisch in Wichtrach sitzen sieht, das Arabischlehrbuch vor sich und über einen Buchstaben streitend. Eine neue Religion anzunehmen, das heisst auch viel lernen. «Das isch no müehsam, zueluege wie dir ässet», sagt Miriam Lo Manto zu ihren Töchtern beim Zmittag, als sie zum ersten Mal Ramadan macht, und Franco muss es den Kollegen im Mittelalterverein halt erklären.

Befremdlich wirkt es manchmal, wenn man den ProtagonistInnen zuschaut, wie sie mehr oder weniger allein ihr Ding durchziehen und dabei auch hilflos wirken. Denn natürlich stossen sie in ihrem Umfeld auf viel Unverständnis. Da hilft es nicht unbedingt, dass Vogel parallel über seine eigene Religiosität nachzudenken beginnt. Denn trotz der Gemeinsamkeiten, die er etwa in der sorgfältigen Ausführung von Ritualen sieht, bleiben ihm seine ProtagonistInnen offensichtlich fremd. Das schafft mehr Distanz, als dem Film guttut. Viel stärker sind die rein beobachtenden Stellen, die einen Blick in unterschiedliche Lebenswelten ermöglichen. Eigentlich egal, wenn man das nicht genau versteht.

Im Kino.

Shalom Allah. Regie: David Vogel. Schweiz 2019