Nr. 03/2021 vom 21.01.2021

Fertig mit den faulen Ausreden!

Von Franziska MeisterMail an Autor:in

«Nicht ich – nicht jetzt – nicht so – zu spät.» Auf diesen Nenner bringen ForscherInnen des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC die Ausreden, wenn es um griffiges Handeln gegen die Klimaerhitzung geht. Oft kämen sie harmlos daher, so Studienleiter William Lamb, bildeten zusammengenommen aber eine «Verhinderungsstrategie, die darauf zielt, einschneidende Massnahmen abzuwenden und materielle Besitzstände auf kurze Sicht zu schützen». Auf dass wir diese besser zu durchschauen lernen, hat sein Team die typischen Argumentationsmuster aus einer Vielzahl von Äusserungen politischer und ökonomischer EntscheidungsträgerInnen und Lobbyorganisationen herausgeschält und zu vier Typen gruppiert.

Strategie Nummer eins: die Verantwortung abschieben. Sollen doch Länder wie China oder Industriezweige wie die Landwirtschaft erst mal ihren CO2-Ausstoss reduzieren! Wär ja noch schöner, wenn wir uns anstrengen und die andern davon profitieren. Wenn schon, dann – Strategie Nummer zwei – Massnahmen propagieren, die nicht wehtun. Das Heilsversprechen: technischer Fortschritt! Er braucht nur die richtigen markttechnischen Anreize (bloss keine Regulierungen: «just carrots – no sticks»). So wird die fossile Industrie gar zum Teil der Lösung. Notfalls greife man zur dritten Strategie und betone die Nachteile konsequenter Klimapolitik. Am besten, indem man sie als sozial verantwortungslos brandmarkt, als Gefahr für Jobs und Wohlstand und die Armen dieser Welt. Quasi schlimmer als nichts tun. Denn eigentlich, wie Strategie vier argumentiert, ist es eh schon zu spät: Wir können nichts mehr ändern. Klimaapokalypse. Doomsday.

Was also tun? Die SozialwissenschaftlerInnen appellieren an alle KlimaaktivistInnen, solche faulen Ausreden zu brandmarken, zurückzuweisen und die dramatischen Auswirkungen der Klimaerhitzung noch klarer und deutlicher zu kommunizieren. Schade bloss, liefern sie nicht gleich auch ein griffiges Argumentarium für den Gegenangriff. Wer initiiert das Crowdfunding?

Immerhin kann man sich mit einem Lernspiel gegen die «Klima-Ausreden» wappnen: www.klimafakten.de/klima-ausreden.

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