Nr. 06/2021 vom 11.02.2021

Nazis und Widerstand

Von Rahel Locher

In welchen Ländern waren die PartisanInnen im Kampf gegen die Nationalsozialisten und ihre Verbündeten besonders erfolgreich? Wie steht es heute um faschistische Organisationen in Russland, Griechenland oder Grossbritannien, und wer leistet dagegen Widerstand? Wer sich zu diesen Fragen einen Überblick verschaffen will, findet ihn in der Graphic Novel «Antifa. Hundert Jahre Widerstand» des Kanadiers Gord Hill. Das Buch erzählt, nach Ländern geordnet, die ineinandergreifende Geschichte der faschistischen und antifaschistischen Bewegungen.

Schlicht gehaltene Bilder zeichnen im ersten Teil grob die Entwicklung des faschistischen Denkens in Europa sowie dessen Erfolge in Italien, Deutschland und Spanien nach. Der zweite Teil des Comics widmet sich neueren Zusammenschlüssen wie der Alt-Right in den USA und den rechtsextremen Brandanschlägen auf Unterkünfte von Geflüchteten im wiedervereinten Deutschland.

Die etwas martialische Bildsprache veranschaulicht die Unmenschlichkeit des Faschismus und seine gewaltvolle Ideologie. Auch die antifaschistischen Gruppen werden in erster Linie in ihren kämpferischen Aktionen dargestellt. Hill schreibt zwar etwa über die britische Antifa, dass sie eine «Doppel-Strategie von ideologischer und physischer Konfrontation» verfolgte. Wie genau diese ideologische Arbeit aussah, bleibt aber im Dunkeln. Auch eine Frage, die bereits im Widerstand gegen den Nationalsozialismus zentral war, scheint Hill kaum zu interessieren: Wie kann man menschlich bleiben, wenn der Gegner sämtliche Vorstellungen davon sprengt, wozu Menschen fähig sind? Überhaupt rückt er Emotionen und persönliche Motive der AntifaschistInnen kaum ins Zentrum, obwohl sich gerade ein Comic gut eignen würde, um Gefühlslagen der handelnden Figuren auszudrücken.

Eines jedoch demonstriert der Band in aller Deutlichkeit: Immer gab es Menschen, die faschistischen Kräften mutig und entschlossen entgegentraten. Egal wie übermächtig diese waren und wie grausam sie mit ihren GegnerInnen umgingen. 

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch