Nr. 08/2021 vom 25.02.2021

Vom Hasen zur Burka

Von Silvia SüessMail an AutorIn

Zuerst ist es ein Hasenkostüm: Die Ich-Erzählerin, eine erfolglose Schauspielerin – einer dieser Intendanten, «ein Mann mit Schal und grossspurigen Gesten, dazu noch von provinziellem Sendungsbewusstsein», hatte ihr einmal erklärt, ihre ganze Ausstrahlung sei so depressiv – springt für ihre erfolgreiche Schauspielfreundin Charlotte ein. Diese ist für Drehaufnahmen in Island, hat aber gleichzeitig einen Osterhasentermin fürs Kinderprogramm im Shoppyside.

Nach einem traumatischen Hüpfwettbewerb im Hasenkostüm gegen schreiende Kinder verkriecht sich die Ich-Erzählerin zu Hause, bis sich Charlotte wieder mit einem neuen Job meldet. Diesmal geht es um einen Auftritt in einer Talksendung. Als der Journalist sich meldet, wird klar: Auch hier muss sie sich verkleiden, allerdings nicht als Hase, sondern sie soll sich eine Burka überziehen. Sie sagt zu, denn sie braucht Geld.

Die Autorin, Slammerin, Musikerin und Juristin Sandra Künzi hat kurz vor der Abstimmung über die sogenannte Burka-Initiative eine bitterböse und sehr schlaue Erzählung geschrieben über die Absurdität dieser Abstimmung und die Debatte, die darüber geführt wird. Frau Minasi, wie die Ich-Erzählerin als Burkaträgerin heisst, wird nun von Talkshow zu Talkshow weitergereicht, denn: «Ich war in eine Marktlücke gefallen.» Schwitzende Moderatoren breiten sich selbstverliebt vor ihr aus, selbsternannte Feministinnen wollen ihr weismachen, dass sie zum Burkatragen gezwungen werde, und selbstgerechte Kämpfer für die sogenannte Freiheit erklären sie zu einer Gefahr für die Menschheit. Was sie selber sagt, interessiert niemanden – sonst würden nämlich alle ziemlich rasch merken, dass die vermeintliche Frau Minasi absolut keine Ahnung vom Thema hat (genau wie übrigens alle anderen, die sich in den Talkshows ausbreiten).

Wie Künzi diesen bigotten Medienzirkus rund um dieses politisch aufgeladene Stück Stoff entlarvt, ist nicht nur eine höchst vergnügliche Lektüre, sondern auch ein ganz klares politisches Statement für ein Nein am 7. März.

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