Nr. 11/2021 vom 18.03.2021

… und hörte seine Stimme bereits verhallen

Von Veit Stauffer

Bereits 1979 bei der Zürcher New-Wave-Band City Vibes war Sänger Andi Czech eine markante Persönlichkeit. Sehr auffallend: sein dunkler Gesang beim antikapitalistischen «Helvetia», zu einer neckischen Sologitarre im Stil der Dire Straits. Mit einer betont freakigen Bühnenshow, inklusive Schminke und androgynen Fummels, eroberte die Studentengruppe mit tanzbarem Ska und Punk die Herzen der aufkommenden Jugendbewegung. Es folgten Konzerte quer durch die Schweiz und ein Auftritt in einem Park im Film «Zwischen Betonfahrten» von Pius Morger. «MadagaSKAr», das beste Stück der City Vibes, erschien später auf der legendären Zürcher Compilation «Definitiv».

In dieser Band waren alle leicht unbedarft, ausser Andi Czech. Sport hat ihn sein Leben lang begleitet, besonders Tischtennis und Fussball. Mit fast pedantischem Ehrgeiz brachte er es in allen Disziplinen zu beachtlichen Erfolgen. Auch seine Stimme übte er stundenlang im stillen Kämmerlein, die Nachbarschaft konnte er damit durchaus die Wände hochtreiben. Mit seiner Coverband Comebuckley fing er die Essenz von Tim Buckley ein. Mit Radio Osaka sang er ab 1992 auf acht Alben an der Schnittstelle von Progressive Rock, Elektronik und Fusionjazz, pendelnd zwischen sanften Balladen wie «Ten Days», veredelt durch filigrane Gitarrensolos von Stephan Thelen, und markanten Kraftausbrüchen der Stimme wie bei «Words Disguise Reality».

Aufgewachsen in Niederhasli, mit einem Elternteil aus Österreich, entdeckte Andi Czech schon früh den Sprachwitz und schwarzen Humor von Helmut Qualtinger und H. C. Artmann. Sein musikalisches Lebenswerk war gezeichnet von Schwermut, aber nie Hoffnungslosigkeit. Wie alle echten Melancholiker hatte er einen sehr ausgereiften Humor, ablesbar auch bei Stücken wie «Die nervöse Mitte» oder «König der Fliegen». «Wenn ich mich in Luft auflösen könnte, würde es mir gelingen», rezitierte er in «König der Fliegen». «Ich befreite mich aus des Bettes Umklammerung. Ich könnte einfach so auseinanderfallen und alles um mich herum berühren. Ohne mich entscheiden zu müssen. Wenn ich sänge, hörte ich meine Stimme bereits verhallen. Röche schon des Todes Asche, zu der ich verfallen. Und wäre König der Fliegen.»

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch