Nr. 15/2021 vom 15.04.2021

Ui, Uri!

Stefan Gärtner recherchiert Hintergrundwissen über den Urkanton

Von Stefan Gärtner

Der Sohnemann löst neuerdings Kreuzworträtsel, die es ja auch in Anfänger- und Kinderversionen gibt, wo die richtig harten Sachen fehlen, etwa dt. Spitzenkolumnist mit acht Buchstaben, Spitzencartoonist (Winterthur) mit sechs und Schweizer Kanton mit drei: URI. Von «journal. Mittel» mit zwölf Buchstaben zu schweigen (UEBERLEITUNG), denn das Sechseläuten mit dem zu verbrennenden Böögg findet wegen Corona nun schon wieder nicht statt beziehungsweise doch, aber nicht in Zürich, sondern im «Gastkanton Uri» («Neue Zürcher Zeitung»), paradoxerweise ohne Gäste, doch das Fernsehen überträgt.

Gastkanton Uri. Was weiss man schon davon? Ich, offen gestanden, überhaupt nichts, ausser, dass Uri so eine Art Ur-Kanton ist, falls es sich dabei nicht schlicht um eine falsche Assoziation handelt. (Ist es nicht, weiss Wikipedia, na also!) Recherchieren wir aber ein bisschen, so erfahren wir Interessantes, Kurioses, zum Nachdenken Anregendes, allora:

Uri war nach dem Zweiten Weltkrieg in aller Munde, jedenfalls dem von Rotarmisten: Kaum stiessen sie nach dem Sieg auf Deutsche, verlangten sie mit dem Befehl «Uri, Uri!» deren Uhren. Ein böser Spass, denn danach ging es nicht in die schöne Zentralschweiz, sondern nach Zentralsibirien …

Der Hauptort von Uri ist zwar Altdorf, aber dessen Gegenteil ist nicht Neustadt, sondern Zürich.

Die EinwohnerInnen Uris heissen nicht Uriner oder Urinirerinnen, auch nicht Ur-Menschen oder Uriguayer, sondern Urs, Ruedi, Yvonne oder Petra.

Uri ist der Heimatkanton des Nationalhelden Wilhelm Tell – der berühmte Apfel liegt noch heute in der Schublade des Dienstschreibtisches vom Landammann.

Mehr berühmte Leute aus Uri: Uri Geller, Uri Avnery, Lieutenant Uhuri («Raumschiff Enterprise»), Ueri Maurer, Max Kruse («Urnel aus dem Eis»).

Uri in der Literatur: Auf dem Rückweg aus Italien kam der deutsche Dichterfürst Goethe durch Uri, dichtete hier seine berühmten «Uriworte, orphisch», bekannteste Zeile: «So musst du sein, hier kannst du nicht entfliehn». Das Werk der deutschsprachigen Dramatik, in dem der Kanton die grösste Rolle spielt, ist sicherlich Brechts «Arturo Uri».

In Uri leben nach jüngster Zählung 36 703 Personen, davon sind praktisch hundert Prozent UrnerInnen, was auf Höchstalemannisch so viel bedeutet wie «bei einer Wahl/Auszählung Helfende». «Höchstalemannisch» wiederum heisst, dass die höchste Stufe des Alemannischen erreicht ist und höchstens Alemannen verstehen, was die Urinenserinnen so daherkeuchen. Und umgekehrt!

Die Durchschnittstemperatur beträgt im Winter minus neunzig Grad (gefühlt), im Sommer plus sieben.

Erdbestattungen sind den Urnern und Urnerinnen zwar nicht regelrecht verboten, aber doch praktisch unbekannt.

Gastkanton Uri – folgende Grossereignisse sollen in Zukunft ebenfalls in Uri stattfinden: Olympische Spiele, Wok-WM, Nationaler Urologiekongress, WOZ-Weihnachtsapéro, Bergfest.

Verkehr: Der Gotthardtunnel verbindet den Kanton Uri mit dem Kanton Tessin; die Züge der SBB fahren natürlich auch in der Gegenrichtung (leer).

Liste der Kulturgüter: Nonsenshaus, Andermatt; Ahistorisches Museum, Altdorf; Rübliwiese, Seelisberg; Kapelle Maria Hilf, Gurtnellen (grösster Hit: «Help!»).

Wichtige Exportgüter des Kantons sind Heu, Gabeln und Heugabeln, importiert werden vor allem TouristInnen.

Uri gilt allgemein als «God’s Own Country», darum lautet der Ostersegen des Papstes auch «Uri et Orbi».

Der Kanton verfügt über keine Universität – Gott sei Dank, ein «Witz» weniger!

Stefan Gärtner (BRD) war Redaktor bei der «Titanic» und ist heute Schriftsteller und «linksradikaler Satiriker» («Die Zeit»). An dieser Stelle nimmt er jede zweite Woche das Geschehen in der Schweiz unter die Lupe.

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